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Multikulti ist nicht gescheitert – muss aber sterben

In Gewalt in Kommunikation on September 25, 2012 at 10:56 am

Multikulti sei gescheitert, heißt es zum inzwischen xten Male. „Das Ende der Geschichte“ oder „Der Kampf der Kulturen“ ist ausgerufen. Zum xten Male. Multikulti gilt als die Antwort. Hier stellen sich mir aber ein paar Fragen, ob Multikulti wirklich so tolerant ist, wie es vorzugeben mag.

Multikulturalismus heißt die Differenz des anderen zu unterstützen, weil wir so einer moralischen Pflicht nachkommen, die wir in diesem Sinne nicht verweigern dürfen.

Ist Multikulturalismus aber nciht nur die andere Seite der Medaille auf der Rassismus steht? Braucht Multi-Kulti nicht den Rassismus um das moralisch korrekte Gegegenstück zu bilden? Ist es nicht ein wenig eitel sich selbst seiner Toleranz zu vergewissern?

Wir lieben es den Rassisten zu hassen, weil er uns in unserer politischen Korrektheit bekräftigt. Doch die strukturelle Gewalt und alltägliche Rassismus den wir verüben geht dabei aus unserer Sicht verloren. Oder um es mit den Worten von Sarah Ahmed zu sagen:

„Wenn Antirassismus zum Ich-Ideal wird, dann weiß man, dass man ein Problem hat.“

Aber was passiert, wenn der/ die Andere tatsächlich so wird wie wir, allerdings all seine spezifischen Merkmale behält? Das ist der unerträgliche Moment für den Multi-Kulti-Befürworter und den Rassisten. Denn dann kann das Gegenüber nicht mehr als der/ die Andere betrachtet werden. So können wir nicht mehr reflexiv rassistisch sein. Wenn ein Anderer genau so ist wie wir, können wir durch seine Existenz uns selbst nicht mehr in Relation zum Rassisten stellen.

Durch die Anerkennung des Anderen stellen wir uns gleichzeitig über ihn/ sie. Wir sind es dann die entscheiden bis wohin diese Freiheit geht? Wir entscheiden ab wann das andere eine Befrohung darstellt. Wir entscheiden welcher Grad von Andersartigkeit noch erlaubt und welcher nicht mehr geduldet werden kann. Dies zeigt sich gegenüber allen Kulturen.  Sprich es gibt immer eine Leitkultur unter der sich alle anderen fügen müssen. Eine wirklich multikulturelle Gesellschaft braucht einen anderen Bezugsrahmen. Es bedarf einer universellen Politik frei von Partikularinteressen. D.h. nicht, dass das Partikulare verschwinden soll. Ganz im Gegenteil: es muss existieren. Allerdings ohne, dass es zu einem Differenzierenden wird. Die lokale Praxis eines Subjekts bildet den Kern, welcher aber nicht die bisherigen politischen Orte unterstützt sollte, sondern die Schaffung eigener mit sich zieht müsste um die Dominanz einer Leitkultur zu brechen.

Jetzt könnte entgegnet werden, dass dies eine utopische Forderung sei. Man könnte aber auch sagen, dass es um eine beängstigende Forderung handelt. Was aber ist Angst? Angst mangelt es im Gegensatz zu Furcht am Objekt. Deshalb lähmt Angst, da sie am klaren Sehen hindert. Handlungen aus Angst heraus werden zu Pseudo-Handlungen. Das Subjekt muss denken, um sich die Objektlosigkeit zu vergegenwärtigen und somit zu entängstigen. Somit werden neue Koordinaten der Orientierung geboren. Die Idee des Kulturkreises muss überdacht werden, da ein Kreis immer etwas abgeschlossenes ist.

Wir sollten uns und andere anfangen als Menschen zu begreifen. Nicht als den oder die Andere.

 

Artikel von Can Gezer

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