buettnerin

Was bist du?

In Gewalt in Kommunikation on September 27, 2012 at 9:37 am

„Hallo, ich bin Can.“
„Jean.“
„Nein. Can.“
„Ach, Gianni.“
„Nein, Can.“
„Jan.“
„Can.“
„John.“
„Can.“
Woher kommt das?
„Das ist ein türkischer Name.“
„Klingt asiatisch. Du siehst aber nicht so aus.“
„Wie sehe ich denn aus?“
„Eher so italienisch oder ehemaliges Jugoslawien.“

Vielleicht wollen einige von Euch wissen, wo ich denn jetzt wirklich herkomme? Na gut. Mein Vater ist Türke. Um genau zu sein Kurde. Meine Mutter Lettin. Aufgewachsen bin ich am Niederrhein. Wenn ich den Menschen denen ich bisher so begegnet bin glauben soll, so sehe ich weder typisch deutsch noch typisch türkisch aus. Wie Letten so aussehen wissen die meisten nicht. Ich wusste das lange auch nicht. Aber ich muss Euch enttäuschen. Auch typisch lettisch sehe ich nicht aus.
Andere Klischees konnte ich auch nicht so wirklich bedienen. Meine Familie ist keine typische Migrantenfamilie. Ich komme aus einem Akademiker-Haushalt mit überdurchschnittlichem Einkommen. Irgendwie passte ich nie so recht in die Kategorien der Menschen, da ich herkunftstechnisch nie klar verortbar war.
Ich wurde häufig gefragt, ob ich mich nicht fühlen würde als lebe ich „zwischen den Stühlen“. Nicht so recht wisse, wo mein Platz ist. Ich musste diese Frage immer verneinen. Traurig machte mich als Kind nur, dass es keine Tasse mit dem Aufdruck meines Namens gab, wie sie viele, viele Kinder besaßen. Nationalität ist eine Kategorie die für mich schon als kleiner Junge ziemlich uninteressant war. Sie wurde für mich über die Jahre immer unwichtiger. Aber scheinbar ist das eine Kategorie die für den Großteil der Menschen von immensem Interesse ist. Immer wieder muss ich mich rechtfertigen, dass ich diese für völlig unerheblich erachte.
Das einzig Konstante in meinem Leben ist mein Name. Alles andere ist vielen, vielen Veränderungen unterworfen. Der permanente Versuch von Außen einen Teil meiner Identität zu fixieren ist mir unangenehm. Ich werde im Alltag immer wieder in Positionen gedrängt in denen ich eine Rolle gedrängt, die Unbehagen in mir verursacht. „Du bist ja gar kein richtiger Deutscher/Türke etc.“ Was soll das denn sein? Was ist ein richtiger Mann/ richtige Frau? Was ist ein/e richtige/r Homosexueller? Richtig ist demnach jemand der Stereotypen entspricht. So macht man dem Gegenüber keine Arbeit. Man ist leicht kategorisierbar. Stereotypen vereinfachen und sind häufig auf Vergangenes bezogen. Jemand kennen zu lernen ist vielleicht zu anstrengend? Aber nur so lernt man doch jemanden kennen, oder? Mich in Einzelteile zu zerlegen die in Schubladen passen fühlt sich an, als würde man mich auseinanderschneiden in leckere Stücke: Haxe, Rippen, Schnitzel, Speck. Keine Sorge. Das ist kein Aufruf zum Vegetarismus. Aber gegen Katalogisierungen.

Ein Text von Can Gezer

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