buettnerin

Deutschland war mal

In Staatsgewalt on Oktober 1, 2012 at 9:19 am

Ich glaube nicht an das Märchen von Vollbeschäftigung. An das Märchen von wer arbeiten will, der kann auch arbeiten. Ich glaube nicht an Chancengleichheit. Ich glaube nicht an erfolgreichen Protest gegen Sparmassnahmen. Ich glaube nicht an Beseitigung von Kinderarmut, Altersarmut oder einfach Armut. Ich glaube nicht an soziale Gerechtigkeit.
Ich glaube an den Kapitalismus als globale Ideologie und Struktur. Das heißt nicht, dass ich ein Befürworter bin. Aber wenn wir dem nicht ins Auge sehen, sind wir auch unfähig etwas zu ändern.
Ich glaube auch nicht an das Märchen der Nationalstaaten. Regierungen bilden die Erfüllungsgehilfen für multinationale Unternehmen. Und diese Unternehmen haben ein Interesse: Das Kapital. Geld ist geschlechtslos, staatenlos und interessiert sich lediglich für seine Vermehrung. Der globale Finanzmarkt ist die vorherrschende Institution auf diesem Planeten. Daraus folgt, dass eine Pariser Regierung enger mit der Börse in Jakarta verwoben ist, als mit einem Pariser Vorort. Dass eine deutsche Regierung sich mehr für globale Finanzkonzerne interessiert als für Bildungsoffensiven in sozial schwachen Bezirken von Berlin, Bamberg, Bremen oder Bingen.
Und das ist innerhalb der kapitalistischen Logik auch richtig, da dieser virtuelle Geldmarkt diese Menschen nicht braucht. Den schließlich ist der Mensch fehlerhaft. Am Ende steht seine Ausradierung.
Der Finanzmarkt ist gekoppelt an Quartalsberichte. Langfristige Investitionen lassen sich hier nur schwer überzeugend darstellen. Dinge, die keinen direkten Outcome haben hemmen die Kapitalvermehrung. Deshalb ist es auch völlig richtig, dass an Sozialausgaben gespart wird, dass Bildung und Kultur immer weniger Geld erhalten. Da diese Bereiche kein direktes Wachstum versprechen. Deshalb ist es richtig Griechenland als Laboratorium zu nutzen, um zu sehen wie viel man einsparen kann, bevor ein Staat völlig kollabiert.
Wir sollten uns von dem nostalgischen Gedanken verabschieden in einem Staat zu leben. Ja, wir leben in Deutschland. Geographisch gesehen. Strukturell gesehen müssen wir uns aber eher als globale Ressource begreifen. Unsere Situation ist nicht anders als die jeden anderen Europäers. Aber auch nicht anders als die eines Brasilianers oder Japaners.
Der Wunsch nach der guten alten Zeit, der sozialen Marktwirtschaft ist nichts weiter als ein erneuter Versuch die Idee des Nationalstaates hochzuhalten. Diese Zeit ist vorbei und doch wird diese Idee von Politikern, Medien und uns geteilt. Wir sollten uns von ihr verabschieden. Wenn wir eine Lösung oder einen Ausweg finden wollen, müssen wir uns dieser Realität stellen. Alles andere wäre verklärende Nostalgie. Wir müssen uns von einer langen Beziehung verabschieden. Der Herr Vater hat viele Kinder, mit vielen Frauen auf dem Erdball. Er hat Landstriche bevölkert. Und wir sollten uns wie Erwachsene verhalten und diesen Umstand anerkennen statt wie kleine Kinder zu jammern.
Ich weiß auch keine Lösung. Aber wir sollten dem Problem in die Augen schauen.

Ein Text von Can Gezer

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