buettnerin

„Wer arbeiten will, der findet auch Arbeit.“

In Staatsgewalt on Oktober 1, 2012 at 8:09 am

Wenn man einen Film oder eine Geschichte schreibt, braucht man Charaktere – Menschen. Um das Verhalten eines Charakters – Mensch – in der Jetztzeit zu verstehen, versieht man die Figuren mit einer Historie, die ihr gegenwärtiges Verhalten erklären soll. In Filmen und Büchern muss dafür oft der Vater herhalten. Der klassische Bösewicht hat in der Regel eine lieblose Kindheit erlebt und nicht selten war es der Vater, der das Weltbild des Archetypen maßgeblich geprägt hat. Von dem bösen Vater – dessen Vater selbstverständlich schon ebenso böse war, genau wie dessen Vater und wiederum dessen Vater – hat der Charakter des Bösewichts in seiner Kindheit allerlei Blödsinn gehört. In Rückblenden zeigt man dann zB., dass der Vater bei einer Begegnung mit einem bettelnden Obdachlosen seinen Sohn davon zerrt und ihm einredet, dass Menschen dieses Kalibers asozial und faul seien. Dass sie den Boden nicht wert sind auf dem sie laufen und dass sie verachtenswerte Geschöpfe sind. Mit dieser Rückblende verstehen wir dann, warum der erwachsene Antiheld so kaltherzig geworden ist.

So zum Beispiel funktioniert die sog. „Charakterentwicklung“. Im Film und in der Literatur nennt man das so und dieses Prinzip hilft einem dabei, nahezu jedes menschliche Fehlverhalten verständlich erscheinen zu lassen. Das Böse wird nicht böse geboren, sondern so heran gezüchtet. Und das ist im Grunde nichts anderes als das was unsere Regierung Tag für Tag mit ihren Kindern veranstaltet. Unsere Regierung entwickelt Charaktere und zieht sich lauter kleine Monster auf.

Und wenn diese Monster groß genug sind, dann treten sie in die Öffentlichkeit und skandieren dort Sätze wie:

Wer arbeiten will, der findet auch Arbeit!“

oder:

Wer hier leben will, der muss sich auch an unsere Gesetz halten.

Überprüfen wir diese Sätze doch zunächst einmal erst an der Realität. Wer arbeiten will, der findet auch Arbeit. Gemessen an deutscher Arbeitsmarktrealität ist diesem Satz nur minimaler Wahrheitsgehalt abzuringen. Es ist kein Geheimnis, dass wir in Deutschland nicht genügend Arbeitsplätze haben und dass ein Großteil aller Beschäftigungen geringfügige sind. So gesehen, stimmt es zwar, dass man einen Beruf finden kann, wenn man genügend Durchsetzungsvermögen besitzt, aber in der Realität würde eine konkrete Durchführung dieses Plans so aussehen:

Eine hochqualifizierte Arbeitskraft kämpft im Bewerbungsverfahren mit hunderten anderer Bewerber um eine geringfügige Stelle. Gewinnt er diesen Kampf, der auch sehr viel mit Glück zu tun hat, und erhält er den Job, so kann der (im schlimmsten Falle) Doktorand sich zukünftig mit einer Stelle unterhalb seiner Qualifikationen herumschlagen, die kaum dazu dient, seinen Unterhalt aufzubringen. Bleiben wir bei der Charakterentwicklung. Wie wird sich dieser Charakter wohl entwickeln? In einem Film oder Buch würde diese Person die Rolle der tragischen Figur einnehmen. Die heillose Heldenfigur, die an ihren harten Gesellschaftskämpfen allmählich zerbröselt. Ja, es gibt in Deutschland Menschen, die diesen Part übernehmen und sie verdienen tatsächlich unser Mitleid. Unseren Respekt dafür verdienen sie allerdings nicht. Aber das ist auch gar nicht ihr Fehler, weil dies ein Fehler unseres Systems ist. Ich empfinde Mitleid mit einer jeden überqualifizierten Arbeitskraft in diesem Land und ich habe Hochachtung vor der Tatsache, dass es diesen Menschen gelingt ihr Ego auszuschalten und entgegen aller eigenen Instinkte zu funktionieren, aber ich habe ein sehr großes Problem damit, diese Menschen polemisch zu Helden zu verklären, indem man ihre Sisyphosmühen glorifiziert. ES GIBT FAKTISCH NICHT GENUG ARBEIT FÜR ALLE DEUTSCHEN und diese Tatsache begründet sich auf politischem Fehlverhalten. Vater Staat also verhält sich asozial.

… aber „es gibt kein richtiges Leben im Falschen“.

Doch Vater Staat ist kein Held. Er ist nicht der Typ aus dem Film, der am Ende alle rettet und das Happy End mitträgt. Vater Staat würde im Film eher die Rolle des opportunen Feiglings erfüllen, der durch eine kleine feige Tat eine Menge katastrophaler Handlungsentwicklungen auslöst. Denn unser Papa will nicht die Verantwortung dafür übernehmen. Papa hat gekocht, aber das Essen reicht einfach nicht für all seine vielen Kinder und also schiebt er eben die Schuld auf seine Kinder.

„Das ist hier eine Leistungsgesellschaft. Ihr habt nicht schnell genug gegessen. Hättet ihr euch alle gleich angestrengt, hätte jeder gleich viel bekommen.“

Aber wäre von „gleich viel“ jeder satt geworden? Und sind Menschen wie Maschinen, die sich exakt aufeinander kalibrieren können. Sind wir alle gleich stark und hungrig? Der Behinderte, die Frau, das Kind, der Alte? Nein, Papa! Wenn du nicht genügend kochst, um uns alle gleichermaßen satt zu kriegen – trotz individueller Essgeschwindigkeiten und Sättigungsgefühlen – dann ist das Deine Schuld, nicht die der Hungernden. Dieses Spiel spielt unsere Regierung schon immer. Und es ist eine der traurigsten Tatsachen, dass so viele Menschen diesem liederlichen Spiel auf den Leim gehen und ihren Mitmenschen als faules Schwein verurteilen.

 Ein Arbeitsloser ist in der Volkspolemik faul, nicht flexibel, schwach, eine Niete, ein Nichts und liegt dem Staat auf der Tasche. Dabei ist es gerade diese Staatstasche, die diese Menschen tragen. Ihr Bündel: Die Unfähigkeit ihrer Regierung. Doch während die Unfähigkeit, sein Volk zu versorgen gut zu verzeihen wäre in einer globalisierten Welt, weil in Wahrheit niemand von uns eine Antwort auf diese Fragen hat, ist es unabstreitbar ein Verbrechen gegen das Volk, zu dieser Unfähigkeit nicht stehen zu wollen.

Doch leider wird man aus dem Munde von der Leyens oder etwa einer Merkel niemals hören, dass sie nicht im Stande sind, diese Zustände für ihr Volk zu sichern. Diese Dinge werden ausgeklammert und mit positiven Wortschöpfungen a là „Kernkompetenzen Mobilität & Flexibilität in der Arbeitswelt“ umschrieben, was den Volkskindern dann immer wieder den Anschein vermittelt, man müsste nur flexibel und mobil genug sein. Und wer das nicht kann, der ist in der Umkehrlogik eben unfähig und faul.

Recht und Ordnung

Auch immer wieder gerne in Integrationsdebatten getragen wird der Satz: „Wer hier leben will, muss sich an unsere Gesetze halten.“ So sagen sie, die Falschparker und Tempolimitüberschreiter, die Steuerhinterzieher und Bei-rot-über-die-Ampel-Geher. Diesen Satz benutzen die, die im Moment der Aussprache sich schon der Straftat der üblen Nachrede strafbar machen. Das erste und einfachste, was man diesen Menschen entgegnen würde wäre die kleine Anekdote über die Steinigung aus der Bibel, in welcher Jesus mahnt:

„Wer von Euch frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“

Ich bin überzeugt, dass es nur sehr sehr wenige Menschen gibt, die noch nie ein deutsches Gesetz gebrochen hätten. Bis dahin wird mir jeder folgen können. Aber ich gehe auch noch weiter und behaupte: Das deutsche Justizsystem ist ein Hohn. Keine Gewalt wird stärker geahndet als die gegen den Staat. Wer dem Staatskörper geringen Schaden zufügt – durch bsplsws. Steuerhinterziehung – geht dafür mitunter länger in den Knast als ein Vergewaltiger. Die deutschen Gesetze gründen sich weniger auf Moral oder den Schutz seiner Bürger als vielmehr dem Schutz unseres politischen Systems. Gesetze die nicht für die Bürger gemacht sind, kann ich nicht anerkennen. Ich folge meinen eigenen moralischen Gesetzen und breche geltendes deutsches Recht Tag für Tag, indem ich zum Beispiel über rote Ampeln gehe. Und übrigens gibt es auch noch gar kein anzuerkennendes Gesetz. An dieser Stelle sei auf den wichtigsten Artikel der deutschen Verfassung hingewiesen:

Artikel 146GG:  „Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“

Wer also derlei Sätze in den Mund nimmt, läuft metaphorisch über eine rote Ampel, während er den Abschleppdienst für einen Falschparker anruft. Nur Querolanten fordern die Bestrafung anderer. Verbrecher sind wir im Grunde alle. Es gibt in diesen Dingen tatsächlich nur zwei Möglichkeiten: Man kann entweder zu all seinen Fehlern, Schulden und Problemen stehen oder man kann einen Krieg gegen die Unfähigkeiten der anderen beginnen. Die Beurteilung beider Möglichkeiten sei jedem selbst überlassen. Schön wäre es einfach nur, wenn jeder das folgende anerkennen könnte:

Unser Vater belügt uns.

Text von Meike Büttner

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