buettnerin

Mein Block …

In Gewalt in Kommunikation, Netzschau on Oktober 8, 2012 at 6:58 am

„Gewissen Menschen gegenüber kann man seine Intelligenz nur auf eine Art beweisen, nämlich, indem man nicht mehr mit ihnen redet.“

                  (Arthur Schopenhauer) 

Das Internett ist gar nicht nett. Das haben wir längst bemerkt. Es gibt dort fiese Trolle, Snuffvideos, der Suckerpunch ist mit dem Internet geboren worden, es gibt Kinderpornografie und keine noch so kranke Phantasie, die sich jeder x-beliebige Mensch machen könnte, die nicht mit sehr großer Wahrscheinlichkeit im Internet bereits verwirklicht worden wäre. Das Internet ist auch gefährlich. Man muss eben einfach – wie im restlichen, nicht-virtuellen Teil seines Lebens auch – aufpassen, auf wen man sich einlässt. Und wenn man eines Tages doch aus Versehen irgendwo an den Falschen gerät, hat man im Internet glücklicherweise eine Möglichkeit, die es im nicht-virtuellen Raum so nicht gibt. Jedenfalls nicht in dieser Einfachheit. Ich kann im wahren Leben durchaus aufgrund einer Beleidigung erwirken, dass eine Person sich mir nicht mehr nähern darf, aber nirgends ist dieser Vorgang so dankbar einfach wie im Internet, wo ich die Möglichkeit habe, Menschen von meinem Onlinenetzwerkprofil, meinem Blog oder meiner Internetseite zu blockieren. Ich kann einfach zwei, drei Mausklicks machen und damit ist das Problem erledigt.

In Internetdiskussionen habe ich allerdings  mehrfach beobachten können, wie Menschen diese Blockierung nicht akzeptieren wollen und sich grausam im Recht fühlen mit ihrer Meinung, irgendein Grundrecht auf eine weitere Äußerung des Blockierenden zu haben. Sie stellen diesen Personen dann nach, indem sie andere Mitdiskutierende auf sie ansetzen, die dann ihre Seite durchsuchen oder mails an die betreffenden Personen schreiben, sie sollten sich gefälligst äußern. Feigheit wird dem Blockierer unterstellt, dass er einfach aus der Diskussion rennt, weil ihm wohl die Argumente ausgegangen sind, etc. Und genau dieses Verhalten zeigt, dass der Blockierende mit dem Blockieren mehr als richtig lag. Denn was wir hier beobachten können , ist erneut Gewalt.
Die Gewalt ist evident. Sie ist aus unserem Alltag gar nicht mehr wegzudenken. Es wäre selbstverständlich nicht nötig, Menschen im Internet zu blockieren, wenn ein jeder sich menschlich verhalten würde. Doch es gibt diese Gewalt und Menschen verhalten sich eben nicht immer nur humanistisch, sondern allzu oft auch wie ein angeschossener Bär, der sich an der Menschheit rächen will.

Dass wir Gewalt verurteilen und verbannen wollen bedeutet, dass wir von ihr wissen. Die Gewalt ist evident. Nur wenn wir das anerkennen, können wir vor ihr gefeit sein. „Das Einverständnis ist affirmativ ohne Zustimmung zum Realen zu sein. Es ist Anerkennung, nicht Zustimmung. Anerkennung oder Einverständnis gehen der zustimmenden Gutheißung wie der verneinenden Zurückweisung voraus.“, schreibt Marcus Steinweg (zeitgenössischer Philosoph) in seinem Text „KUNST, PHILOSOPHIE UND POLITIK“ und er meint damit nichts anderes als das:

Nur, wenn ich die Realität anerkenne, wenn ich mir der Boshaftigkeit des Spieles bewusst bin, kann ich mich davor schützen. Das gilt für den Rassismus wie für die Gewalt. Wenn ich anerkenne, dass es im kapitalistischen System immer die Opfer gibt, denen zu wenig Liebe widerfährt und deren Geld an einer Hand abzählbar ist; wenn ich mir bewusst mache, dass dieses System viele Menschen in Ohnmacht und Verzweiflung stürzt, aus welcher der Hass erwachsen kann, kann ich diesen Menschen und mir selbst helfen. Selbstverständlich ist es kein besonders gutes Benehmen in einer Diskussion plötzich umzudrehen ud das Weite zu suchen, aber was geschieht in der Regel, bevor jemand diese Schritte geht?

Besseres für sich und die Welt zu wollen, ist kein naiver Wunsch. Naiv würde er erst durch die Negierung der grausamen Wirklichkeit. Doch wenn ich ebendiese Wahrheiten anerkenne, kann ich etwas gegen sie tun. Ein Ritter kann keinen Drachen töten, den es nicht gibt. Ein Richter keinen Verbrecher verurteilen, der nie gelebt hat. Besseres für die Welt zu wünschen, bedeutet aufmerksamer zu werden. Das Gute genau so zu sehen wie das, was unsere Freiheit bedroht. Solange böse Kräfte Realität sind, habe ich nicht nur das Recht, sondern in meinem Augen sogar die Pflicht, einigen Menschen die Türe vor der Nase zuzuknallen.

Denn die wenigsten wissen, dass sie Gewalt ausüben, während sie es tun. Es hilft nichts, ihnen immer wieder dabei zuzusehen. Wir müssen sie abstrafen und zwar gemeinsam. Der Junge, der im Kindergarten einen anderen haut, wird dafür von der Gruppe für eine ganze Weile ignoriert und geschnitten. Kinder lösen derlei recht eindrucksvoll in der Gruppe. Wir Erwachsenen haben das offenbar verlernt. Vielleicht, weil es uns so einen Spaß macht im Internet zu diskutieren oder weil wir uns ständig im Recht sehen. Richtiger wäre es, wenn man gemeinschaftlich Menschen dadurch abstrafen würde, dass man sie blockiert. Dieses Zeichen wäre eindeutig. „Es gibt Gewalt, das was Du gerade getan hast war welche und nun schließen wir dich aus dieser Gesellschaft aus. Gewalt macht zum Outlaw. Wenn Du einer bist, hast Du wohl etwas Dummes getan.“

So einfach könnte das sein.
Solange das gemeinschaftliche Sperren von Trollen meine Utopie ist, bleibt nur das eine zu sagen:

Ich – als Einzelperson – genau so wie jeder andere Mensch im Internet auch, hat das Recht einen anderen Menschen zu blockieren und aus der eigenen Privatsphäre herauszuhalten. Diese Blockierung darf niemals als Gewalt verstanden werden. Viel eher sollte man die Indizien der Gewalt immer auf der Seite derer suchen, die blockiert wurden.

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