buettnerin

Rassistische Hetze nach Gewalttat am Alexanderplatz

In Gewalt in Kommunikation, Netzschau on Oktober 19, 2012 at 8:44 am

english version below
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Mit freundlicher Genehmigung von Bernd Matthies veröffentlichen wir seinen Artikel aus dem Tagesspiegel vom 18.10.2012.

Nach der tödlichen Gewalttat am Alexanderplatz gibt es ein Kondolenzbuch, dort aber finden sich mehrere fremdenfeindliche, hetzerische Sprüche. „Wann werfen wir dieses Pack aus der Heimat?“, fragen Unbekannte mit Blick auf die Täter. Diese rassistische Selbstgewissheit des Spießertums macht frösteln.

Wenn sich in einer Gesellschaft etwas zusammenbraut, dann merken wir das an vermehrten Tabubrüchen. Es sind kleine Risse, denen größere folgen – es kommt eine verhängnisvolle Mechanik in Gang, der die Politik entschlossen gegensteuern muss. Da wird beispielsweise ein Rabbiner verprügelt, weil er Rabbiner ist. Auf U-Bahnhöfen und Straßen kommt es zu rätselhaften, unmotivierten Gewaltakten, und nun stirbt ein junger Mann einfach deshalb, weil andere gerade Lust auf seinen Tod hatten.

Es kann jeden treffen, das ist neu.

Doch auch die hetzerischen Sprüche im Kondolenzbuch für diesen traurigen Vorfall sind ein Tabubruch. Es gab mehrere fremdenfeindliche Eintragungen, dabei handelt es sich mit Blick auf die mutmaßlichen Täter etwa um Fragen wie „Wann werfen wir dieses Pack aus der Heimat?“. Ausgerechnet dort, wo unbeteiligte Menschen ihre Trauer ausdrücken können, um die Angehörigen des Opfers ein wenig zu trösten, ausgerechnet dort bricht nun jene Haltung durch, die wir mit routinierter Ironie als „gesundes Volksempfinden“ bezeichnen: die aggressive, in diesem Fall rassistische Selbstgewissheit des Spießertums. Es sind vermutlich ähnliche Gestalten wie jene, die kürzlich in der „Abendschau“ am Tatort herumkrakeelt haben, und sie machen frösteln.

Es braut sich etwas zusammen. Wir müssen hoffen, dass die Politik die Zeichen erkennt und Berlins Mordermittler ihrem Ruf gerecht werden – damit die Täter bestraft werden, und nur sie.
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Racist agitation after act of violence on Berlin Alexanderplatz

This article of Bernd Matthies has been published in the newspaper Berliner Tagesspiegel on Octobre the 18th.

If something concocts in society, we recognize it by increased breaking of taboos. It is  short cracks first followed by bigger ones –  a fatal mechanism gains momentum, which politics has to go against determinedly. There is this rabbi for example, who gets battered, just because the fact he is a rabbi. Baffling unmotivated acts of violence are happening in subway-stations and on the streets, and now a young man dies, just because of some others were willing to kill.
It can happen to everyone. Without a cause. This is new.

Even those agitations in the book of condolence are a breaking of taboo. Xenophobic statements have been written down, dealing with the as foreign described offenders by claiming questions like: “When do we finally expulse this pack from our homeland?” Just where uninvolved people have the opportunity to express their dolor and to cheer up the victim’s family a little, we can see the outbreaking attitude that we with usual irony trivialize by calling it  popular sentiment (in German there is a even more propagandistic word for that, which is hard to translate. It transports the belief, that it would be righteous, true and even healthy. We call it “gesundes Volksempfinden”): this aggressive, in this case racist self-certitude of the Babbittry. We could even see them jelling in the tv-reports about the murdering and they cause shivering.

Something concocts. We have to hope, that politics is recognizing the signs and that Berlin´s so called murders investigators live up to their names to punish the offenders, and just them.

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  1. […] wenn ich mich heute so umsehe in den Foren des Netz, in den Zeitungen, in der U-Bahn, sogar in den Kondolenzbüchern der Stadt , dann muss ich mich wundern, das dies die selbe Gesellschaft sein soll, die sich einmal ausgedacht […]

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