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Mitarbeiterin des Jobcenters kritisiert Hartz IV

In Netzschau, Staatsgewalt on Oktober 10, 2012 at 10:35 am

Hier kann man die Meinung einer Mitarbeiterin des Jobcenters nachlesen zum Thema strukturelle Gewalt und Arbeitslosigkeit.

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Auszug aus dem Text

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Gefunden bei Nadia Sheadeh (Betreiberin des Blogs Shehadistan und Mitarbeiterin bei ua. der Mädchenmannschaft und dem Pop Feuilleton Philibuster

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ICH muss sterben.

In Gewalt in Kommunikation, Staatsgewalt on Oktober 10, 2012 at 8:59 am

„(…)Da ist gleichzeitig auch der Tod des Erlösers im Gepäck. Das ist ja auch wieder das, was ich meine mit dem Wissen um die eigene Verwesung. Das müssen wir erst mal akzeptieren, dann können wir anfangen zu leben. Die Metaphysik soll uns dabei helfen zu überleben, aber wir müssen erst mal akzeptieren, – die Verwesung müssen wir erst mal akzeptieren – und dann fangen wir tatsächlich an zu leben. (…)“

                                                                                     (Christoph Schlingensief, Juli 2004)

Ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich ich.
Wenn ich es nur oft genug sage, klingt es wie ein kaputter Motor, der auf keinen Fall mehr anspringen wird. Und wenn es so kaputt vor mir liegt, sieht es gar nicht mehr nach dem aus, was es mal sein sollte. Es liegt so fremd plötzlich vor mir. Als könne dieses Wort niemals etwas beschreiben, was im Tiefsten mit mir verwoben ist. Es beschreibt keines meiner Wünsche. Nur noch dieses Ich zwischen Millionen von anderen Ich-ich-ich-ich-ich-ich-ichs.

Was es einmal sein sollte:
ICH habe immer Recht, ICH habe die richtige Einstellung, ICH liege so verdammt richtig auf meiner Spur, ICH zweifle an mir, aber nicht daran, dass die Einstellungen stimmen. ICH bin richtig justiert und alles läuft wie es läuft, weil es um mich geht. Das Wort Richtig klingt nach zweimal „ich“.

Und dann kommt ein anderer mit seinem Ich und auch er hat immer Recht und dabei ist er ganz anders justiert als ich. Auch wenn er „richtig“ sagt klingt es wie zweimal „Ich“ aus seinem Mund. Und wo bleibe dann ich? Dann passe ich mich an oder ich lasse mich unterdrücken oder ich schreie. Ich schreie die anderen Ichs solange an, bis sie mir immer noch nicht Recht geben und dann hasse ich sie, die anderen Ichs und dann frage ich mich, wieso sie so gemein zu mir sind. Zu MIR!

Alle Menschen hasse ich dann. Alle „Ichs“.
Was ist mit meinem Ich? In der letzten logischen Konsequenz hasse ich auch dieses und am Ende bekommen so wirklich alle Recht damit, sich scheiße zu finden. So ist es dann gut.

Oder ich versuche zu sagen: Wir.
Wir wir wir wir wir wir wir wir wir. Und das klingt dann plötzlich so, als wären wir alle ganz verwirrt. Aber wenigstens klingt es dann nicht mehr kaputt. Das ist doch was handfestes. Man kann es ja mal versuchen. Erst verwirrt sein und dann in der neuen fremden Welt nach deren physikalischen Gesetzen ein paar Häuser errichten.

Für ein Wir brauchen wir Gemeinsamkeiten, sogenannte kleinste gemeinsame Nenner. Da muss ich viel von meinem ganzen ICH rauslassen und am schwierigsten ist es dabei, sich an den Gedanken zu gewöhnen: Ich habe gar nicht immer Recht oder ich kann darauf jedenfalls gerade nicht bestehen. Weil Du, Er, Sie und Es gemeinsam beschlossen haben, dass Wir und Ihr Sie alle lieben sollt. Von uns aus. Nicht meinetwegen.

Ich liebe mein Ich und ich will es gar nicht hassen. Ich will auch weiter finden, dass es immer richtig liegt mit seinen Meinungen. Um mir das zu ermöglichen, begeh ich ein unmögliches Paradoxon und gestatte es Dir, Ihr, Ihm, Uns, Ihnen und Euch. Wir haben alle Recht heißt keiner hat Recht. Blöd, dass unser deutscher Grundsatz darauf besteht: Einigkeit und Recht und Freiheit. Denn im Recht kann es eine Einigkeit nie geben. Streichen wir das Recht. Bestehen wir auf die Einigkeit auf Freiheit. Ersetzen wir die Einigkeit durch Einverständnis und werden wir zum Land des Einverständnisses und der Freiheit. Fangen wir einfach hier unten an:

Ich, Du, Er, Sie, Es, Wir, Ihr und Sie.

Text von Meike Büttner

Mein Block …

In Gewalt in Kommunikation, Netzschau on Oktober 8, 2012 at 6:58 am

„Gewissen Menschen gegenüber kann man seine Intelligenz nur auf eine Art beweisen, nämlich, indem man nicht mehr mit ihnen redet.“

                  (Arthur Schopenhauer) 

Das Internett ist gar nicht nett. Das haben wir längst bemerkt. Es gibt dort fiese Trolle, Snuffvideos, der Suckerpunch ist mit dem Internet geboren worden, es gibt Kinderpornografie und keine noch so kranke Phantasie, die sich jeder x-beliebige Mensch machen könnte, die nicht mit sehr großer Wahrscheinlichkeit im Internet bereits verwirklicht worden wäre. Das Internet ist auch gefährlich. Man muss eben einfach – wie im restlichen, nicht-virtuellen Teil seines Lebens auch – aufpassen, auf wen man sich einlässt. Und wenn man eines Tages doch aus Versehen irgendwo an den Falschen gerät, hat man im Internet glücklicherweise eine Möglichkeit, die es im nicht-virtuellen Raum so nicht gibt. Jedenfalls nicht in dieser Einfachheit. Ich kann im wahren Leben durchaus aufgrund einer Beleidigung erwirken, dass eine Person sich mir nicht mehr nähern darf, aber nirgends ist dieser Vorgang so dankbar einfach wie im Internet, wo ich die Möglichkeit habe, Menschen von meinem Onlinenetzwerkprofil, meinem Blog oder meiner Internetseite zu blockieren. Ich kann einfach zwei, drei Mausklicks machen und damit ist das Problem erledigt.

In Internetdiskussionen habe ich allerdings  mehrfach beobachten können, wie Menschen diese Blockierung nicht akzeptieren wollen und sich grausam im Recht fühlen mit ihrer Meinung, irgendein Grundrecht auf eine weitere Äußerung des Blockierenden zu haben. Sie stellen diesen Personen dann nach, indem sie andere Mitdiskutierende auf sie ansetzen, die dann ihre Seite durchsuchen oder mails an die betreffenden Personen schreiben, sie sollten sich gefälligst äußern. Feigheit wird dem Blockierer unterstellt, dass er einfach aus der Diskussion rennt, weil ihm wohl die Argumente ausgegangen sind, etc. Und genau dieses Verhalten zeigt, dass der Blockierende mit dem Blockieren mehr als richtig lag. Denn was wir hier beobachten können , ist erneut Gewalt.
Die Gewalt ist evident. Sie ist aus unserem Alltag gar nicht mehr wegzudenken. Es wäre selbstverständlich nicht nötig, Menschen im Internet zu blockieren, wenn ein jeder sich menschlich verhalten würde. Doch es gibt diese Gewalt und Menschen verhalten sich eben nicht immer nur humanistisch, sondern allzu oft auch wie ein angeschossener Bär, der sich an der Menschheit rächen will.

Dass wir Gewalt verurteilen und verbannen wollen bedeutet, dass wir von ihr wissen. Die Gewalt ist evident. Nur wenn wir das anerkennen, können wir vor ihr gefeit sein. „Das Einverständnis ist affirmativ ohne Zustimmung zum Realen zu sein. Es ist Anerkennung, nicht Zustimmung. Anerkennung oder Einverständnis gehen der zustimmenden Gutheißung wie der verneinenden Zurückweisung voraus.“, schreibt Marcus Steinweg (zeitgenössischer Philosoph) in seinem Text „KUNST, PHILOSOPHIE UND POLITIK“ und er meint damit nichts anderes als das:

Nur, wenn ich die Realität anerkenne, wenn ich mir der Boshaftigkeit des Spieles bewusst bin, kann ich mich davor schützen. Das gilt für den Rassismus wie für die Gewalt. Wenn ich anerkenne, dass es im kapitalistischen System immer die Opfer gibt, denen zu wenig Liebe widerfährt und deren Geld an einer Hand abzählbar ist; wenn ich mir bewusst mache, dass dieses System viele Menschen in Ohnmacht und Verzweiflung stürzt, aus welcher der Hass erwachsen kann, kann ich diesen Menschen und mir selbst helfen. Selbstverständlich ist es kein besonders gutes Benehmen in einer Diskussion plötzich umzudrehen ud das Weite zu suchen, aber was geschieht in der Regel, bevor jemand diese Schritte geht?

Besseres für sich und die Welt zu wollen, ist kein naiver Wunsch. Naiv würde er erst durch die Negierung der grausamen Wirklichkeit. Doch wenn ich ebendiese Wahrheiten anerkenne, kann ich etwas gegen sie tun. Ein Ritter kann keinen Drachen töten, den es nicht gibt. Ein Richter keinen Verbrecher verurteilen, der nie gelebt hat. Besseres für die Welt zu wünschen, bedeutet aufmerksamer zu werden. Das Gute genau so zu sehen wie das, was unsere Freiheit bedroht. Solange böse Kräfte Realität sind, habe ich nicht nur das Recht, sondern in meinem Augen sogar die Pflicht, einigen Menschen die Türe vor der Nase zuzuknallen.

Denn die wenigsten wissen, dass sie Gewalt ausüben, während sie es tun. Es hilft nichts, ihnen immer wieder dabei zuzusehen. Wir müssen sie abstrafen und zwar gemeinsam. Der Junge, der im Kindergarten einen anderen haut, wird dafür von der Gruppe für eine ganze Weile ignoriert und geschnitten. Kinder lösen derlei recht eindrucksvoll in der Gruppe. Wir Erwachsenen haben das offenbar verlernt. Vielleicht, weil es uns so einen Spaß macht im Internet zu diskutieren oder weil wir uns ständig im Recht sehen. Richtiger wäre es, wenn man gemeinschaftlich Menschen dadurch abstrafen würde, dass man sie blockiert. Dieses Zeichen wäre eindeutig. „Es gibt Gewalt, das was Du gerade getan hast war welche und nun schließen wir dich aus dieser Gesellschaft aus. Gewalt macht zum Outlaw. Wenn Du einer bist, hast Du wohl etwas Dummes getan.“

So einfach könnte das sein.
Solange das gemeinschaftliche Sperren von Trollen meine Utopie ist, bleibt nur das eine zu sagen:

Ich – als Einzelperson – genau so wie jeder andere Mensch im Internet auch, hat das Recht einen anderen Menschen zu blockieren und aus der eigenen Privatsphäre herauszuhalten. Diese Blockierung darf niemals als Gewalt verstanden werden. Viel eher sollte man die Indizien der Gewalt immer auf der Seite derer suchen, die blockiert wurden.

Betreff: Zuschauerreaktion

In Netzschau on Oktober 3, 2012 at 6:27 pm

Die Moderatorin einer amerikanischen Morgenshow wehrt sich in ihrer Show gegen die Wortgewalt eines Zuschauerbriefs.

Danke Johann Schwarz für die Einreichung.

Deutschland war mal

In Staatsgewalt on Oktober 1, 2012 at 9:19 am

Ich glaube nicht an das Märchen von Vollbeschäftigung. An das Märchen von wer arbeiten will, der kann auch arbeiten. Ich glaube nicht an Chancengleichheit. Ich glaube nicht an erfolgreichen Protest gegen Sparmassnahmen. Ich glaube nicht an Beseitigung von Kinderarmut, Altersarmut oder einfach Armut. Ich glaube nicht an soziale Gerechtigkeit.
Ich glaube an den Kapitalismus als globale Ideologie und Struktur. Das heißt nicht, dass ich ein Befürworter bin. Aber wenn wir dem nicht ins Auge sehen, sind wir auch unfähig etwas zu ändern.
Ich glaube auch nicht an das Märchen der Nationalstaaten. Regierungen bilden die Erfüllungsgehilfen für multinationale Unternehmen. Und diese Unternehmen haben ein Interesse: Das Kapital. Geld ist geschlechtslos, staatenlos und interessiert sich lediglich für seine Vermehrung. Der globale Finanzmarkt ist die vorherrschende Institution auf diesem Planeten. Daraus folgt, dass eine Pariser Regierung enger mit der Börse in Jakarta verwoben ist, als mit einem Pariser Vorort. Dass eine deutsche Regierung sich mehr für globale Finanzkonzerne interessiert als für Bildungsoffensiven in sozial schwachen Bezirken von Berlin, Bamberg, Bremen oder Bingen.
Und das ist innerhalb der kapitalistischen Logik auch richtig, da dieser virtuelle Geldmarkt diese Menschen nicht braucht. Den schließlich ist der Mensch fehlerhaft. Am Ende steht seine Ausradierung.
Der Finanzmarkt ist gekoppelt an Quartalsberichte. Langfristige Investitionen lassen sich hier nur schwer überzeugend darstellen. Dinge, die keinen direkten Outcome haben hemmen die Kapitalvermehrung. Deshalb ist es auch völlig richtig, dass an Sozialausgaben gespart wird, dass Bildung und Kultur immer weniger Geld erhalten. Da diese Bereiche kein direktes Wachstum versprechen. Deshalb ist es richtig Griechenland als Laboratorium zu nutzen, um zu sehen wie viel man einsparen kann, bevor ein Staat völlig kollabiert.
Wir sollten uns von dem nostalgischen Gedanken verabschieden in einem Staat zu leben. Ja, wir leben in Deutschland. Geographisch gesehen. Strukturell gesehen müssen wir uns aber eher als globale Ressource begreifen. Unsere Situation ist nicht anders als die jeden anderen Europäers. Aber auch nicht anders als die eines Brasilianers oder Japaners.
Der Wunsch nach der guten alten Zeit, der sozialen Marktwirtschaft ist nichts weiter als ein erneuter Versuch die Idee des Nationalstaates hochzuhalten. Diese Zeit ist vorbei und doch wird diese Idee von Politikern, Medien und uns geteilt. Wir sollten uns von ihr verabschieden. Wenn wir eine Lösung oder einen Ausweg finden wollen, müssen wir uns dieser Realität stellen. Alles andere wäre verklärende Nostalgie. Wir müssen uns von einer langen Beziehung verabschieden. Der Herr Vater hat viele Kinder, mit vielen Frauen auf dem Erdball. Er hat Landstriche bevölkert. Und wir sollten uns wie Erwachsene verhalten und diesen Umstand anerkennen statt wie kleine Kinder zu jammern.
Ich weiß auch keine Lösung. Aber wir sollten dem Problem in die Augen schauen.

Ein Text von Can Gezer

„Wer arbeiten will, der findet auch Arbeit.“

In Staatsgewalt on Oktober 1, 2012 at 8:09 am

Wenn man einen Film oder eine Geschichte schreibt, braucht man Charaktere – Menschen. Um das Verhalten eines Charakters – Mensch – in der Jetztzeit zu verstehen, versieht man die Figuren mit einer Historie, die ihr gegenwärtiges Verhalten erklären soll. In Filmen und Büchern muss dafür oft der Vater herhalten. Der klassische Bösewicht hat in der Regel eine lieblose Kindheit erlebt und nicht selten war es der Vater, der das Weltbild des Archetypen maßgeblich geprägt hat. Von dem bösen Vater – dessen Vater selbstverständlich schon ebenso böse war, genau wie dessen Vater und wiederum dessen Vater – hat der Charakter des Bösewichts in seiner Kindheit allerlei Blödsinn gehört. In Rückblenden zeigt man dann zB., dass der Vater bei einer Begegnung mit einem bettelnden Obdachlosen seinen Sohn davon zerrt und ihm einredet, dass Menschen dieses Kalibers asozial und faul seien. Dass sie den Boden nicht wert sind auf dem sie laufen und dass sie verachtenswerte Geschöpfe sind. Mit dieser Rückblende verstehen wir dann, warum der erwachsene Antiheld so kaltherzig geworden ist.

So zum Beispiel funktioniert die sog. „Charakterentwicklung“. Im Film und in der Literatur nennt man das so und dieses Prinzip hilft einem dabei, nahezu jedes menschliche Fehlverhalten verständlich erscheinen zu lassen. Das Böse wird nicht böse geboren, sondern so heran gezüchtet. Und das ist im Grunde nichts anderes als das was unsere Regierung Tag für Tag mit ihren Kindern veranstaltet. Unsere Regierung entwickelt Charaktere und zieht sich lauter kleine Monster auf.

Und wenn diese Monster groß genug sind, dann treten sie in die Öffentlichkeit und skandieren dort Sätze wie:

Wer arbeiten will, der findet auch Arbeit!“

oder:

Wer hier leben will, der muss sich auch an unsere Gesetz halten.

Überprüfen wir diese Sätze doch zunächst einmal erst an der Realität. Wer arbeiten will, der findet auch Arbeit. Gemessen an deutscher Arbeitsmarktrealität ist diesem Satz nur minimaler Wahrheitsgehalt abzuringen. Es ist kein Geheimnis, dass wir in Deutschland nicht genügend Arbeitsplätze haben und dass ein Großteil aller Beschäftigungen geringfügige sind. So gesehen, stimmt es zwar, dass man einen Beruf finden kann, wenn man genügend Durchsetzungsvermögen besitzt, aber in der Realität würde eine konkrete Durchführung dieses Plans so aussehen:

Eine hochqualifizierte Arbeitskraft kämpft im Bewerbungsverfahren mit hunderten anderer Bewerber um eine geringfügige Stelle. Gewinnt er diesen Kampf, der auch sehr viel mit Glück zu tun hat, und erhält er den Job, so kann der (im schlimmsten Falle) Doktorand sich zukünftig mit einer Stelle unterhalb seiner Qualifikationen herumschlagen, die kaum dazu dient, seinen Unterhalt aufzubringen. Bleiben wir bei der Charakterentwicklung. Wie wird sich dieser Charakter wohl entwickeln? In einem Film oder Buch würde diese Person die Rolle der tragischen Figur einnehmen. Die heillose Heldenfigur, die an ihren harten Gesellschaftskämpfen allmählich zerbröselt. Ja, es gibt in Deutschland Menschen, die diesen Part übernehmen und sie verdienen tatsächlich unser Mitleid. Unseren Respekt dafür verdienen sie allerdings nicht. Aber das ist auch gar nicht ihr Fehler, weil dies ein Fehler unseres Systems ist. Ich empfinde Mitleid mit einer jeden überqualifizierten Arbeitskraft in diesem Land und ich habe Hochachtung vor der Tatsache, dass es diesen Menschen gelingt ihr Ego auszuschalten und entgegen aller eigenen Instinkte zu funktionieren, aber ich habe ein sehr großes Problem damit, diese Menschen polemisch zu Helden zu verklären, indem man ihre Sisyphosmühen glorifiziert. ES GIBT FAKTISCH NICHT GENUG ARBEIT FÜR ALLE DEUTSCHEN und diese Tatsache begründet sich auf politischem Fehlverhalten. Vater Staat also verhält sich asozial.

… aber „es gibt kein richtiges Leben im Falschen“.

Doch Vater Staat ist kein Held. Er ist nicht der Typ aus dem Film, der am Ende alle rettet und das Happy End mitträgt. Vater Staat würde im Film eher die Rolle des opportunen Feiglings erfüllen, der durch eine kleine feige Tat eine Menge katastrophaler Handlungsentwicklungen auslöst. Denn unser Papa will nicht die Verantwortung dafür übernehmen. Papa hat gekocht, aber das Essen reicht einfach nicht für all seine vielen Kinder und also schiebt er eben die Schuld auf seine Kinder.

„Das ist hier eine Leistungsgesellschaft. Ihr habt nicht schnell genug gegessen. Hättet ihr euch alle gleich angestrengt, hätte jeder gleich viel bekommen.“

Aber wäre von „gleich viel“ jeder satt geworden? Und sind Menschen wie Maschinen, die sich exakt aufeinander kalibrieren können. Sind wir alle gleich stark und hungrig? Der Behinderte, die Frau, das Kind, der Alte? Nein, Papa! Wenn du nicht genügend kochst, um uns alle gleichermaßen satt zu kriegen – trotz individueller Essgeschwindigkeiten und Sättigungsgefühlen – dann ist das Deine Schuld, nicht die der Hungernden. Dieses Spiel spielt unsere Regierung schon immer. Und es ist eine der traurigsten Tatsachen, dass so viele Menschen diesem liederlichen Spiel auf den Leim gehen und ihren Mitmenschen als faules Schwein verurteilen.

 Ein Arbeitsloser ist in der Volkspolemik faul, nicht flexibel, schwach, eine Niete, ein Nichts und liegt dem Staat auf der Tasche. Dabei ist es gerade diese Staatstasche, die diese Menschen tragen. Ihr Bündel: Die Unfähigkeit ihrer Regierung. Doch während die Unfähigkeit, sein Volk zu versorgen gut zu verzeihen wäre in einer globalisierten Welt, weil in Wahrheit niemand von uns eine Antwort auf diese Fragen hat, ist es unabstreitbar ein Verbrechen gegen das Volk, zu dieser Unfähigkeit nicht stehen zu wollen.

Doch leider wird man aus dem Munde von der Leyens oder etwa einer Merkel niemals hören, dass sie nicht im Stande sind, diese Zustände für ihr Volk zu sichern. Diese Dinge werden ausgeklammert und mit positiven Wortschöpfungen a là „Kernkompetenzen Mobilität & Flexibilität in der Arbeitswelt“ umschrieben, was den Volkskindern dann immer wieder den Anschein vermittelt, man müsste nur flexibel und mobil genug sein. Und wer das nicht kann, der ist in der Umkehrlogik eben unfähig und faul.

Recht und Ordnung

Auch immer wieder gerne in Integrationsdebatten getragen wird der Satz: „Wer hier leben will, muss sich an unsere Gesetze halten.“ So sagen sie, die Falschparker und Tempolimitüberschreiter, die Steuerhinterzieher und Bei-rot-über-die-Ampel-Geher. Diesen Satz benutzen die, die im Moment der Aussprache sich schon der Straftat der üblen Nachrede strafbar machen. Das erste und einfachste, was man diesen Menschen entgegnen würde wäre die kleine Anekdote über die Steinigung aus der Bibel, in welcher Jesus mahnt:

„Wer von Euch frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“

Ich bin überzeugt, dass es nur sehr sehr wenige Menschen gibt, die noch nie ein deutsches Gesetz gebrochen hätten. Bis dahin wird mir jeder folgen können. Aber ich gehe auch noch weiter und behaupte: Das deutsche Justizsystem ist ein Hohn. Keine Gewalt wird stärker geahndet als die gegen den Staat. Wer dem Staatskörper geringen Schaden zufügt – durch bsplsws. Steuerhinterziehung – geht dafür mitunter länger in den Knast als ein Vergewaltiger. Die deutschen Gesetze gründen sich weniger auf Moral oder den Schutz seiner Bürger als vielmehr dem Schutz unseres politischen Systems. Gesetze die nicht für die Bürger gemacht sind, kann ich nicht anerkennen. Ich folge meinen eigenen moralischen Gesetzen und breche geltendes deutsches Recht Tag für Tag, indem ich zum Beispiel über rote Ampeln gehe. Und übrigens gibt es auch noch gar kein anzuerkennendes Gesetz. An dieser Stelle sei auf den wichtigsten Artikel der deutschen Verfassung hingewiesen:

Artikel 146GG:  „Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“

Wer also derlei Sätze in den Mund nimmt, läuft metaphorisch über eine rote Ampel, während er den Abschleppdienst für einen Falschparker anruft. Nur Querolanten fordern die Bestrafung anderer. Verbrecher sind wir im Grunde alle. Es gibt in diesen Dingen tatsächlich nur zwei Möglichkeiten: Man kann entweder zu all seinen Fehlern, Schulden und Problemen stehen oder man kann einen Krieg gegen die Unfähigkeiten der anderen beginnen. Die Beurteilung beider Möglichkeiten sei jedem selbst überlassen. Schön wäre es einfach nur, wenn jeder das folgende anerkennen könnte:

Unser Vater belügt uns.

Text von Meike Büttner

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