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Warum Evolution Rassismus einschließt und wieso dann ausgerechnet der gemeine Neonazi von seinem Ideal weiter entfernt ist als Otto Normal

In Netzschau on November 5, 2012 at 5:11 am

Wer diese Überschrift bewältigt hat verfügt über eine gewisse Lesekompetenz. Sehr gut. Eventuell haben Sie damit soeben eine Daseinsberechtigung erlangt.

Was nicht passt, wird passend gemacht. Da kennt die Evolution keine Gnade. Wann immer sich die Lebensbedingungen einer Art ändern, muss die Art sich diesen Bedingungen entweder anpassen oder sie muss aussterben. Das gilt für zahlreiche Tiere und Pflanzen seit Anbeginn der Erde und das galt auch einmal für den Menschen. Nicht, dass der heutige Homo Sapiens tatsächlich das Ende aller Weisheit wäre – auch wenn er das von sich selbst immer wieder glauben möchte. Auch er ist selbstverständlich weiterhin Teil dieser Abläufe, allerdings haben sich die Bedingungen für ihn, durch z.B. Medizin und Technologie, ein wenig verschoben. Besucht man einen fünfhundertjährigen Friedhof, so kann man folgende Entwicklung deutlich erkennen: Unter den ältesten Gräbern finden sich zahlreiche Kindergräber. Vor fünfhundert Jahren starben also ganz offensichtlich noch sehr viel mehr Menschen vor Erreichen der Volljährigkeit als das heute noch der Fall ist. Berücksichtigt man, dass sich vor fünfhundert Jahren nur der Klerus und der Adel ein solches Begräbnis leisten konnten, kommt man auf eine enorme Dunkelziffer.

Damals starben diese Kinder, weil sie nicht überlebensfähig waren. Ihr Immunsystem war den damaligen Verhältnissen nicht optimal angepasst und die Evolution „entschied“, dass diese kleinen Menschen niemals die Zeugungsfähigkeit erlangen sollten. Damit stellte die Evolution quasi sicher, dass kein“ fehlerhaftes Material“ weitergegeben werden sollte. Die Evolution kennt in derlei Fragen keine Milde. Die Evolution ist ein ganz und gar rassistisches System, dass Lebewesen einteilt in „Funktionsfähig“ oder „Abfall“. Heute helfen Impfungen, OPs und Brutkästen da, wo früher nur der Tod bereitstand. Der Mensch hat sich somit einen „Vorteil“ verschafft, indem er nun persönlich darüber entscheidet, welche Leben „lebenswert“ ist. Dass er die Evolution damit nur herausfordert, die dann ihrerseits gezwungen ist, neue Mutationen von Viren zu erschaffen, gerät in der Momentaufnahme in Vergessenheit. Die Phase, in welcher der Mensch gelernt hat, sich gegen die natürliche Auslese weitestgehend zu wehren, ist im Verlauf der Evolutionsgeschichte allerdings nicht viel länger als eine Millisekunde. Viren mutieren weiterhin und werden resistent, das Spiel ist noch lange nicht gewonnen. Die Evolution passiert langsam, aber sie nimmt sich, was ihr zusteht. Wir können ihrer Ungnade vielleicht über einige Epochen entkommen, aber den längsten Atem hat die Evolution die schon immer währt, wenn wir dem aktuellen Stand der Wissenschaft glauben können. Dass auch allgemeingültige „Tatsachen“ wie die Evolution oder beispielsweise die Existenz von Atomen ebenso anfechtbar sind wie „andere Religionen“ ist ein Thema für sich, auf das wir in diesem Blog auch noch zurückkommen werden.

Die Evolution ist ein niemals endender Optimierungsversuch. Sie ist das Streben nach Perfektion, dem sich alle Arten unterordnen. Jedes Wesen auf diesem Planeten schafft sich nach seinen Bedingungen und Veranlagungen die jeweils optimalen Lebensumstände. Für den Vogel, dessen Schnabel sich dem Wuchs einer Orchideenblüte angepasst hat bedeutet das, dass er umherfliegen und möglichst viel Nektar sammeln kann und muss und für den Menschen mit seinen Händen, dem aufrechten Gang und dem wachsenden Wissen bedeutet das, dass er anbaut und isst, bzw. einkauft und isst und eben auch, dass er forscht und sich weiterbildet. Im Gegensatz zu den meisten Tieren verfügen die Menschen über ein besseres Bewusstsein und die Fähigkeit, selbst etwas zu erschaffen. Während die meisten Tiere immer gleichen Mustern folgen und die gleichen Höhlen, Nester oder Tunnel bauen, bestimmt der Mensch selbst durch vielfältige Architektur und das Aufbringen virtueller Vermögenswerte, wie und zu welchen Zeiten er lebt. Somit verpflichtet sich der Mensch zu mehr als dem bloßen Erhalt seiner Existenz durch die Aufnahme von Nahrung und der Fortpflanzung. Der Mensch hat sehr viel mehr zu tun.

Besonders viel zu tun hat der Nazimensch. Hitler spendete 50.00 Reichsmark für die Errichtung einer Nietzsche Gedenkstätte, weil die Nationalsozialisten im Werk „Also sprach Zarathustra“ nationalsozialistische Ideologie begründet sahen. Hitler sah das Werk als einen Aufruf zur Ausrottung von „Gesindel“. Tatsächlich finden sich in dem Werk zum Beispiel Aussagen wie: „die Untauglichen sollen getötet werden, dann verschwinden sie schneller.“ Dass Nietzsche dabei allerdings von ganz anderen Menschen als den Juden spricht, ist für die Oberflächenphilosphie eines Adolf Hitlers nicht von Interesse gewesen. Im Grunde stellt das Werk eine Aufzeichnung über die Evolution des Geistes dar. Zarathustra ist ein imaginärer Weiser, der nach zehnjährigem Eremitendasein aus den Bergen zu den Menschen geht, um ihnen auf Marktplätzen seine Philosophie kundzutun. Da er vom Volk verspottet wird, zieht er weiter und sucht nach Menschen, deren Geist frei genug ist, damit er ihnen seine Lehren mitteilen kann. Diese Lehren sind nach Meinung der Nationalsozialisten erstrebenswerte Ziele für einen Nationalsozialisten.

Nietzsche beschreibt die drei Phasen der Wahrheits- und Selbstfindung mit folgendem Satz:

„Drei Verwandlungen nenne ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kamele wird, und zum Löwen das Kamel, und zum Kinde zuletzt der Löwe.“

Das Kamel steht für die Leidensfähigkeit, das Schulen in Demut und dem Ertragen, der Löwe für den autarken Geist, der erst durch die Demut zu seiner Souveränität gelangen kann. Der Löwe soll geltende Normen in Frage stellen und bekämpfen. Erst, wenn der Löwe alles zerstört hat, soll er zu Schaffen beginnen. Nicht auf alten Werten begründen seine Schöpfungen, sondern auf neuen und eigenen Philosophien. Mit der Naivität eines Kindes soll er nach neuen und eigenen Werten etwas schaffen. Das große Ziel Zarathustras Lehre ist der Übermensch. Der Übermensch ist eine Utopie vom Menschen, der alle Krankheiten und Abhängigkeiten überwunden hat. Die Nationalsozialisten sahen in dem Begriff ihre Theorie vom Arier bekräftigt, der dieses Ideal nach Ansichten der Nazis allerdings per Geburt erhalten haben soll. Hitler ist nicht als großer Philosoph oder Leser bekannt. Hauptsächlich tragen die zweifelhaften Verbindungen zu Nietzsches Schwester und Mutter zu den falschen Einschätzungen bei, die Hitler Nietzsches Werk beimisst. Gelesen hat er es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, da das Buch von einer Entwicklung ausgeht und nicht von einer bereits vorhandenen „Menschenrasse“. Wer der Übermensch werden möchte, den Hitler als das Ideal bezeichnet, der hat einen harten Weg vor sich. Somit fällt der Durchschnittsdeutsche direkt raus aus diesem Ideal. Wer sich nicht der Einsamkeit aussetzt, wer nicht durch Demut zu Selbstsicherheit erlangt, wer nicht danach strebt, seinen Geist zu schulen, der gehört nämlich zu denen, die Zarathustra meint, wenn er sagt, es wäre besser, sie alle gleich auszurotten.

Ausgerottet würden dann aber nicht die Juden, die Afrikaner, die Türken oder Araber, ausgerottet würde dann die Mehrheit der Menschen. Alle die, die lieber den Fernseher einschalten als ein Buch zu lesen, all jene die nicht zur Demut und zum Tiefgang bereit sind und ebenjene, die lauthals Parolen rufen, die andere sich ausgedacht haben.

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