buettnerin

Dieser Text wird mir eine Klage einbringen

In Gewalt in Kommunikation, Netzschau on Dezember 10, 2012 at 6:10 am

Es gibt Menschen, mit denen ist kein Gespräch mehr möglich. Man kann sich bei Ihnen nicht entschuldigen, wenn man einmal etwas falsch gemacht hat, weil sie das unter Garantie alles gar nicht hören möchten, denn es gibt Menschen, deren Weltbild ist so einfach, dass man es nicht mit einem Meinungswechsel aus dem Gleichgewicht bringen darf. In diesem Fall reden wir von einem Radiomoderator, der mich verklagen wird. Er hat das mehrfach als seine Lieblingslösung dargelegt und ich weiß, dass es kommen wird. Sein Name ist der selbe, wie der von Barbies Freund, die Ähnlichkeit ist auch vorhanden: Ken Jebsen von KENFM. Seine Sendung heißt wie er, er hat drei facebookseiten, die immer jeweils ihn auf dem Profilbild und dann – Überraschung – IHN auf dem Titelbild zeigen. Hier mag sich jemand so sehr, dass alles andere hinten anstehen muss, wenn es um das Ego des Ken Jebsens geht. Und da muss auch sein eigenes Lieblingsthema zurückstecken, wenn es einmal soweit ist.

Ken Jebsen kämpft gegen Rassismus und Gewalt … sagt er.
An mir hat er diese Dinge jedoch voller Freude am „Spiel“ – denn er nannte es ein Spiel – ausgeübt. Vorneweg: Ich finde es großartig, dass jemand, der eine Haltung hat und sich gegen Rassismus einsetzt, auf facebook 25.000 Fans haben kann. Das stimmt optimistisch, nein das könnte optimistisch stimmen, würde nicht so schnell dieser harsche Ton auffallen, mit dem Ken Andersdenkende beleidigt und von der Planke seines facebookbootes wirft, um sie seinen Fanhaien zum Fraß vorzuwerfen.

Was ist überhaupt passiert? Alles beginnt mit einem dummen Impuls meinerseits und endet mit Demagogie seitens Ken Jebsens. Der Autor Hendryk M. Broder wirft dem Moderator Antisemitismus vor, weil dieser – lassen wir es ihn einfach selbst sagen: „Ich hatte Mahmud Abbas‘ UN-Auftritt gelobt und US-Außenpolitik als irgendwie verlogen angeprangert.“ (Ken Jebsen) Diese Aussage war für Hendryk M. Broder Anlass genug, Jebsen einen Antisemiten zu nennen. Broder schrieb daraufhin den RBB an, um sich zu beschweren, dass ein öffentlich rechtlicher Sender einen Antisemiten unterstützt. Diese Dinge passieren übrigens tagtäglich. Es vergeht kein Tag in einer Zeitungsredaktion, ohne dass nicht mindestens einem Journalisten per Brief, Fax oder email, Rassissmus, Sexismus oder antisemitische Tendenzen vorgeworfen werden. Diese Zusendungen gehören zum Alltag eines redaktionell arbeitenden Unternehmens. Der Umgang damit ist einfach: Keine Antwort ist auch eine Antwort und wenn mein Kind mich tausendmal fragt, ob es ein Auto anzünden darf, erhält es darauf einfach keine Antwort. Funktioniert prima. Das Kind hat noch nie ein Auto angezündet und die Trolle melden sich höchstens noch zweimal, bis sie endlich enttäuscht aufgeben, aber das Team um Ken hat sich eine eigene Methode ausgedacht: Denunziation, Hetze und Kens Lieblingswerkzeug: WEITERLEITEN! Immer alles weiterleiten!

Und darum hat das die RBB-Intendantin auch getan. Sie beleidigt Broder immer wieder in den mails und leitet den gesamten Wortwechsel weiter an Ken, der ihn seinerseits auf seiner Facebookseite bloßstellt, indem er die mails öffentlich macht. Ein hässliches Unterfangen, das meinen Fehler nicht begründet. Mein Fehler war ein anderer. Ich weiß nicht, warum der Beitrag von KENFM in meiner facebook-timeline erschien, aber das tat er und er machte mich wütend.

Ich bin Ken Jebsen in meinem Leben viermal begegnet. Zweimal beim rbb selbst und zweimal privat mit einem ehemaligen „Freund“. Jedes dieser Aufeinandertreffen war geprägt von der Eitelkeit des Beaus Jebsens und bei den privaten Aufeinandertreffen hat er frauenfeindliche, rassistische und ja, auch Judenwitze gerissen. Auf mich wirkte er so abstossend, dass ich seine Arbeit niemals verfolgt habe. Mein Urteil stand felsenfest und darum bin ich mit Jebsens Arbeit auch wirklich sehr wenig vertraut. Inzwischen weiß ich, dass er sich offenbar gegen Rassismus und Gewalt einsetzt und diese Disharmonie verwundert mich und das tut es nun umso stärker, nachdem ich nun also noch einmal mit ihm auf eklige Art und Weise aneinander geriet. So. Was habe ich getan? Ich habe einen Kommentar hinterlassen. Impulsiv und unüberlegt. Wütend und unsachlich. Ich schrieb:

„Ich erinnere mich sehr gut an ein Treffen mit Ken Jebsen und Mark Scheibe, bei dem beide alkoholisiert Frauen- und fremdenfeindliche Witze rissen.“

Darauf antwortete Ken, dass solle ich mal beweisen, er trinke gar keinen Alkohol und er kündigte an, dass er sehr gut in Grabenkriegen sei. Ich schrieb, dass es die Sache nicht besser mache, wenn er seinerzeit nüchtern gewesen sei und fragte, wieso er nun gleich an einem Krieg interessiert sei. Ich würde friedliche Auseinandersetzungen bevorzugen. Ken war der Meinung, mir noch nie begegnet zu sein, also schrieb ich ihm erklärend, dass Mark Scheibe mein damaliger Partner gewesen sei und wir darum zusammen gesessen hätten. Da hatte Ken die Lösung parat:

Ich führe einen Rosenkrieg gegen meinen Exfreund, war seine einfache Erklärung der Sachlage und er löschte meine Posts. Inzwischen war es ausgerechnet einer meiner Facebookfreunde, der mir einerseits mail zum Thema schrieb und andererseits ellenlange Kommentare auf Kens Seite postete, dass mein Verhalten inakzeptabel sei. Ich versuchte meinem Facebookbuddy zu verklickern, dass ich mit jemandem wie Ken nicht gerne in eine Auseinandersetzung treten wolle, da er mich ohnehin zensieren würde und weil sein Kampfstil zu rücksichtslos sei für mein sensibles Gemüt.

Ebenjenes sensible Gemüt ließ mich dann aber den ganzen Tag nicht mehr stillsitzen und also rang ich mich durch und schrieb zunächst auf Kens Seite dass ich mich nicht weiter äussern würde, da meine Statements ja eh gelöscht würden und weil ich diese Form der „Kriegsführung“ nicht ertragen würde. Es verging noch mehr Zeit mit noch mehr schlechtem Gewissen und also schrieb ich schließlich einfach an Ken selbst. Ich schickte Ken die folgende private Nachricht:

Vielleicht sollten wir das mal persönlich klären, weil ich tatsächlich keinerlei Interesse an einem solchen Kleinkrieg hege. Zunächst: Von Broder soll jeder halten, was er will. Ich bin nicht sein Fan und ich bin sicher in vielen Bereichen Deiner Meinung. Ich gebe auch gerne zu, dass meine „Beteiligung“ an dieser Diskussion auch sehr impulsiv war. Von Mark Scheibe darf auch jeder halten, was er will und ja, ich kann ihn tatsächlich so gar nicht austehen, aber kommen wir nun in aller Ehrlichkeit zum Kern meiner Aussage:  Du und ich, wir sind viermal aufeinander getroffen. Das war zweimal bei Fritz und zweimal irgendwo privat mit Mark. Du wirst Dich vermutlich gar nicht erinnern, weil alle diese Begegnungen eher flüchtiger Natur war. Beide Male, die wir uns mit Mark trafen, haben Du und Mark sehr eklige Witze über Juden, Schwarze und Frauen gerissen. Ich war sehr abgestossen und dieser Eindruck ist einfach bei mir hängen geblieben. Dass ich mich auf diese Weise auf eine Diskussion eingelassen habe, tut mir persönlich leid. Im Grunde kann man sagen, dass mein Eindruck gar nichts mit dieser Sachlage zu tun hat. Broder ist ein Spinner. Von mir aus. Ihn auf diese Weise bloßzustellen verurteile ich allerdings. Ich habe einen persönlichen Eindruck Deiner Person geäussert und das war unprofessionell und nicht besonders klug. Geschenkt. Ich würde darüber kein Buch schreiben wollen. Mein Eindruck ist allerdings da und ich hoffe, dass Du darauf in einer Weise antworten kannst, die nicht verletzend ist. Ich habe sehr viele Probleme mit Hassmails und dergleichen und hege lieber zielgerichtetere Dialoge.

Danke und Entschuldigung, Meike (von wegen mit „ai“)

Ken reagierte darauf nicht. Inzwischen fragten User auf der Seite, wo meine Kommentare verblieben seien und warum er dem Vorwurf nichts entgegenzusetzen habe außer Löschung. Ken erklärte ihnen, dass dies eine Verleumdung sei, für die er keine Zeit habe und erklärte meine Kommentare als Teil eines Spindoctors. WOW! Ein Spindoctor ist jemand, der von politischer Instanz bezahlt wird, um Medien subtil zu manipulieren. Nun wurde ich also Teil einer Verschwörung und angeblich dafür bezahlt, Meinung gegen Ken zu machen. Auf mein Schreiben antwortete er erst einmal nicht. Das kam erst viel später.

Erst einmal behauptete er auf seiner Seite weiter gegenüber Nachfragenden, dass ich einerseits einen Rosenkrieg gegen Mark Scheibe führe, andererseits sagte er, ich würde bezahlt, um seine Person zu schmähen. Da ich ihn ja aber längst über meine wahre Meinung aufgeklärt hatte, hielt ich es schließlich nicht mehr aus und schrieb doch noch etwas auf seine Chronik:

kenscreenshot1

Daraufhin wurde ich blockiert. Und ich erhielt eine private Antwort des Moderators.

Ich habe deinen gesamten text an scheibe geleitet.
Hier noch ein Lesetip .http://www.amazon.de/gp/aw/d/3825225232/ref=mp_s_a_1?qid=1355010777&sr=8-1&pi=SL75

Sein Stilmittel: Die Weiterreichung. In wiefern mich das beeindrucken soll, ist mir nicht ganz klar. Eines ist jedoch unübersehbar: Mit Ken Jebsen ist Frieden nicht zu machen. Das einfache Lesen meiner mail oder eine kurze Recherche im Internet hätte ihn darüber aufklären können, dass wir uns beide gegen die selben Sachen engagieren, er hätte meine Entschuldigung annehmen und in einen konspirativen Dialog treten können. Stattdessen hat er mich denunziert, mich beleidigt und für mindestens verhaltensgestört erklärt.

Alle User, die nach mir fragten und die Vorgänge als befremdlich darstellten, wurden ebenfalls von der Seite geblockt. Einer teilte mir mit, dass Ken ihm geschrieben und versucht habe, ihn zu überzeugen. Dabei hat er mir allerdings die Worte im Munde umgedreht und erklärt, wie er mit derlei Störern umgehe. Nachdem der User ihn darüber aufklärt, dass dies so alles nicht richtig ist und weiterhin nachfragt, wieso Ken die Statements löschen und dann falsch wiedergeben würde, wurde auch er blockiert. Hier ein Teil dieses Dialoges:

Bildschirmfoto 2012-12-09 um 16.20.26

Bildschirmfoto 2012-12-09 um 16.20.50

An mich richtete er mit der Blockierung noch die folgende Nachricht:

„Wer bezahlt Sie, Maike von Wegen? Ich kenne Sie nicht. Spielen Sie ihre Spielchen woanders.“

Schade, Ken Jebsen. Mein Eindruck bleibt nun also weiter bestehen. Sie haben frauenfeindliche und rassitische Witze in meinem Beisein gerissen und anstatt sich dazu zu äussern, zogen Sie es vor, einen privaten Grabenkrieg gegen mich zu führen. Kämpfen wir wirklich für dasselbe? Ich bin verwirrt. Denn in meinen Augen stellen derlei Methoden – Dennunzieren und Weiterleiten – eine enorme Gewalt dar. Außerdem frage ich mich: Geht es um Gewalt oder geht es um das Ego eines Moderators?

Es sollte hier eigentlich gar nicht um irgendein Ego gehen. Weder um das eines Mark Scheibes (wer-ist-das-überhaupt?), noch um das einer Meike Büttner oder um einen Ken Jebsen-Ego. Es geht um etwas anderes. Das Problem heißt Gewalt.

Ein Text von Meike Büttner

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