buettnerin

YEAHYEAHYEAH!

In Meinung, Staatsgewalt on Januar 7, 2013 at 10:15 am

Das Maxim-Gorki Theater in Berlin hat eine neue Intendantin!
Eine Frau! Mit Migrationshintergrund! Und alle also so YEAH!
Deutschland hat auch eine Frau als Kanzlerin. Sogar eine Ostdeutsche! Und damals auch alle so YEAH. Amerika hat einen afroamerikanischen Präsidenten. Die ganze Welt so OBAMARAMA!
Wir fallen dabei auf neue Verpackungen und Labels, eines alten Produktes rein, das Kapitalismus heißt. Obamas Stab besteht fast ausschließlich aus Wall-Street-Bänkern, Merkel erfüllt den Finanzmärkten einen Wunsch nach dem Anderen, und Shermin Langhoff, die neue Intendantin erklärt in der ersten Betriebsversammlung, dass sie sich über jeden freut, der am Haus bleibt und verschickt gleichzeitig an ein Drittel der Angestellten Kündigungen. http://www.berliner-zeitung.de/kultur/maxim-gorki-theater-kuendigungswellen,10809150,21390060.html
Mir soll es hier gar nicht so sehr um die einzelnen Personen gehen (dafür weiß ich auch nicht genug über Frau Langhoff), aber um die schönen Tricks auf die wir reinfallen und wie kleine Kinder bei einem Feuerwerk „OH…ist das schön“ sagen. Die Probleme des Rassismus und Sexismus sind auf einen Schlag gelöst. Und alle so YEAH!. das der Einzelfall ein strukturelles Problem löst, ist leider ein Irrglaube. Es ist ein Etikettenschwindel dem wir hier erliegen. Und eigentlich sind dies leere Etiketten, da sie gar nicht in dem Referenz-Rahmen des Rassismus und Sexismus arbeiten, sondern diese Menschen Machtpositionen in kapitalistischen Gebilden inne haben. Und das vorrangige Interesse eines kapitalistischen Gebildes ist das Kapital. Das dies auf Staatsebene passiert wundert wahrscheinlich viele nicht mehr sonderlich. Das dies in der Kunst auch so ist, wundert schon mehr.
Der Artikel hebt ein weit verbreitetes Klischee hervor, dass Künstler, in diesem Fall Schauspieler und Regisseure es schon zu Ihrem Selbstverständnis gemacht haben, arm zu sein. Kunst dient halt einem höheren Gut als dem Geld. Problem ist nur, dass sie eigentlich Sklaven der kapitalistischen Prinzipien sind. Staaten kürzen Kulturetats mehr und mehr. Ähnlich wie Griechenland auf volkswirtschaftlicher Ebene, wird der Kulturbereich als eine Art Labor genutzt. Wie viel kann man sparen, bis etwas stirbt. Das griechische Volk geht im Gegensatz zu Künstlern wenigstens auf die Strasse. Sprich, es gibt eine Art des politischen Bewusstseins. Viele Künstler meinen per se politisch zu sein. Künstler sind halt arm. Aber ein politisches Bewusstsein müsste eine gerechtere Position für sich selbst einfordern. Die Romantisierung Ihrer eigenen Versklavung ist allerdings das genaue Gegenteil davon. Da wundert es mich kaum, dass Theater und viele andere Künste wirklich niemanden mehr interessieren. Denn das aufklärerische und vielleicht sogar revolutionäre Potential, das es einmal inne hatte, ist verschwunden. Statt ein Labor für Utopien zu sein, verkommen die Künste zu einem weiteren Experimentierfeld des Kapitals.

Ein Text von Can Gezer

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