buettnerin

Jesus beim Amtsgericht – Wieso Gott aus der Kirche austreten würde

In Meinung on Februar 5, 2013 at 6:26 pm

“Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist.”
Lukas 20, 25

So lautet die Antwort Jesu auf die Frage der Priester, ob es rechtens sei, Steuern zu zahlen. Er bittet sie, ihm eine Münze auszuhändigen, prüft sie und stellt fest, dass es das Konterfei des Kaisers ist, das diese Münze ziert. Daraufhin kommt es zu dem legendären Ausspruch. Geld für den Kaiser, Nächstenliebe (die Regierungsform des Reich Gottes) für Gott und seine Kinder.
An anderer Stelle erleben wir Jesus bei seinem einzigen übermittelten Wutanfall. Als er sieht, dass Händler im Tempel ihre Stände errichtet haben, schlägt er um sich und verjagt die Händler. Jesus ist sonst gar nicht so, aber als der Tempel als die Verkörperung der Anwesenheit Gottes mit dem schnöden Mammon und dem Handel in Verbindung gebracht werden soll, da gehen ihm alle Lichter aus.
Wenn wir Jesus als ein Vorbild begreifen, zeigt uns diese Geschichte vieles über zielgerichtete Wut. Jesus fällt nicht auf durch Wut. Er ist barmherzig und besonnen, kein Pharisäer kann ihn aus der Deckung locken, er wählt seine Antworten immer mit Bedacht, doch hier zeigt er uns, wann Schluss ist und dass es Grenzüberschreitungen gibt, auf die man nur mit gezieltem Zorn reagieren kann. Schluss ist offenbar dann, wenn Staat oder Kapitalismus und Kirche in einen Topf geworfen werden. Kapitalismus im Hause Gottes ist einfach nicht drin. Jesus macht uns vor: Kapitalismus hat im Tempel – im Leib Gottes – einfach nichts verloren.

Nun hat Jesus sich schon eine Weile nicht mehr blicken lassen und alles scheint aus dem Ruder gelaufen zu sein. Die Kirche hat ein geschätztes Gesamtvermögen von fast einer halben Billiarden Euro, der Theologe und Publizist Martin Lohmann spricht in der Jauch Talkshow von der Corporate Identity der Kirche, Peter Beer aus dem Erzbistum in München vergleicht sich auf die Frage nach der staatlichen Abgaben an Pfarrer mit einem Abgeordneten, den ich ja auch zahlen müsste, selbst wenn ich ihn nicht gewählt hätte. Mit der Trennung von Staat und Kirche – vor allem auch mit der Trennung von Kirche und Kapitalismus – scheint es nicht weit her zu sein. Jedes Jahr nehmen beide Kirchen gemeinsam etwa 10 Mio. Euro nur an Steuergeldern ein, aber damit nicht genug. Es bestehen zahlreiche uralte Verträge zwischen Regierung und Kirche, die den Kirchen enorme Subventionen sichern. Die Zahlungen des Staats an die Kirche überragen die Steuereinnahmen um ein vielfaches. Sage und schreibe 15 Milliarden Euro an Subventionsgeldern fließen Jahr für Jahr noch zusätzlich in die Kassen der Kirche. Diese begründen die Vorzüge gerne mit den Leistungen, die sie dem Staat erbringen. Dabei bleibt allerdings unerwähnt, dass zB. die Kosten der kirchliche Krankenhäuser zu 100% durch Pharmakonzerne und den Staat finanziert werden. Wir alle zahlen also für die Krankenhäuser, die Kontrolle über sämtliche Arbeitsverträge und ethische Behandlungsgrundsätze liegen dem gegenüber zu 100% bei der Kirche. Und die folgt ihren eigenen Gesetzen. Die Kirche hat ein eigenes Gericht, einen eigenen Justizapparat und vor allem: Ganz eigene Regeln. So wird in katholischen Krankenhäusern zum Beispiel Ärzten gekündigt, weil sie sich haben scheiden lassen oder Krankenpfleger gar nicht erst angenommen, weil sie einer anderen Religion angehören. Das ist eine Diskriminierung gegen die der Staat nichts unternehmen kann. Die Träger der Kliniken bestimmen die Regeln. Auch, wenn sie dafür nicht einmal zahlen.

Jesus würde vermutlich ausrasten, wenn der Papst ihm gegenüber stünde. Jesus würde sagen, dass der Mammon nicht zu Gottes Sakramenten gehört, dass “eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.” (Mt 19,24) Es müsste Jesus zutiefst erschüttern, wenn er erfahren würde von der Unbarmherzigkeit des Konzerns Kirche, der von seinem reichen Tempel gelassen auf die Armut der Menschen blickt. Er würde die Priester, die in Missbrauchsfälle verwickelt waren an ihren liturgischen Gewändern packen und rausschmeissen und alle, die die Fälle nicht aufklären lassen gleich mit. Vermutlich würde er das gesamte Personal der katholischen Kirche hinauswerfen und die protestantische nicht einmal besonders verschonen. Denn für Jesus gilt noch immer, was auch schon vor 2000 Jahren galt: Der Handel und der Staat haben in der Kirche nichts verloren. Die Kirche soll ein Ort der Barmherzigkeit und des Asyls sein. Jesus selbst ist Kind zweier Asylanten. Würde er sehen, dass die Kirchen nicht ihre Pforten für die Asylanten öffnen, dass Sie weder die Homosexuellen, noch die Prostituierten, noch all die anderen Aussätzigen mit offenen Armen empfängt und wie sie nichts weiter tut, als ihre eigenen Privilegien zu sichern und reicher und immer reicher zu werden, er würde toben, dass die ganze Welt beben müsste.

Jesus würde zum Amtsgericht gehen. Er würde austreten wollen aus einer Kirche, die viel mehr einem Großkonzern gleicht als einer Glaubensgemeinschaft. Vielleicht würde Jesus gar den Antichristen aus der Prophezeiung erwähnen.

Und es ist auch kein Wunder, denn selbst der Satan verwandelt sich in seiner Gestalt in einen Engel des Lichts. Es ist also nichts Besonderes, wenn auch seine Diener sich in ihrer Gestalt als Diener der Gerechtigkeit verwandeln, deren Ende wird sein gemäß ihren Werken.
2.Korinther Kapitel 11, Verse 14-15

Gar nicht so unwahrscheinlich, dass er die Kirche selbst im Verdacht haben könnte, in seinem Namen aufzutreten, um in Wahrheit die Machenschaften des Satans zu erfüllen. Aber machen wir uns nichts vor: Der Jesus aus der Bibel weiß das selbstverständlich alles und laut Kirche gehört das ja nun einmal zum Plan Gottes dazu. Es bleibt uns also nur, auf das jüngste Gericht zu warten, welches der Kirche sicher nicht besonders gnadenvoll begegnen wird. Bis dahin können wir uns an den christlichen Grundsatz halten und uns fragen:

Was würde Jesus tun?

Nun. Der würde eben ganz sicher zum Amtsgericht gehen und Schluss machen mit der Kirche. Und das sollten wir ihm unbedingt nachtun.

Genaue Zahlen und alles über die staatliche Fürderung der Kirche findet man in diesem sehr empfehlenswerten Artikel von Jacob Jung. Klick!

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