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Posts Tagged ‘Kapitalismus’

Sei Türkei!

In Meinung, Staatsgewalt on Juni 17, 2013 at 10:44 am

Die derzeitige Situation in der Türkei beschäftigt viele von uns. Auch einige Künstler, die jetzt einen offenen Brief an Angela Merkel geschrieben haben. Hier der Text von Ihrer Facebook-Seite

„Offener Brief von Kulturschaffenden in Deutschland an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zu den Erstunterzeichnern gehören u.a. Fatih Akin, Michael Ballhaus, Helene Hegemann, Jan Josef Liefers, Anna Loos, Sibel Kekilli, Rene Pollesch und Johan Simons

 

Bildschirmfoto 2013-06-17 um 12.36.46

 

Ich stimme damit überein, dass die Ereignisse für sich sprechen und doch irritiert es mich sehr, sich mit diesem Anliegen an die Bundeskanzlerin zu wenden.
Die Verantwortung an eine Politikerin abzugeben in einem Land, wo Demokratie zum inhaltsleeren Protokoll verkommen ist, halte ich für naiv.
Eine Kanzlerin, die „marktkonforme Demokratie“ fordert ist nicht die Instanz auf die wir uns hier verlassen dürfen, geschweige denn an die wir unsere Verantwortung abtreten dürfen.
Wenn wir die Aufstände in der Türkei als ein türkisches Phänomen begreifen, so denke ich, begehen wir ein folgenschweren Fehler. Die Menschen in Istanbul leben genau wie wir in einem kapitalistischen System, das von der Regierung jede Unterstützung erfährt. Auch hier gibt es eine Zunahme von Polizei-Gewalt an Protestanten (Blockupy, Stuttgart 21, etc). Wir täten gut daran, die Situation der Türkei als unsere Situation zu begreifen.
Wenn wir etwas verändern wollen, dürfen wir die heutigen politischen Orte nicht unterstützen, sondern müssen unsere eigenen schaffen, wie am Gezi-Park geschehen. Wir müssen dabei unbedingt gewaltfrei vorgehen, so wie es die meisten Prostierenden in der Türkei tun. In einer globalisierten Welt wie unserer dürfen wir nicht länger dem Fehler aufliegen, in nationalen Grenzen zu denken. Wir sind Teil einer Welt, die viel größer ist als Staaten.
Wenn Menschen immer wieder auf die Straße gehen, in dem Wissen, dass die Gewalt kommen wird, dann ist das so unendlich mutig. Sie begreifen sich in ihren Handlungen als grenzenlos. Das sollten wir auch tun.

 

Beitrag von Can Gezer

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YEAHYEAHYEAH!

In Meinung, Staatsgewalt on Januar 7, 2013 at 10:15 am

Das Maxim-Gorki Theater in Berlin hat eine neue Intendantin!
Eine Frau! Mit Migrationshintergrund! Und alle also so YEAH!
Deutschland hat auch eine Frau als Kanzlerin. Sogar eine Ostdeutsche! Und damals auch alle so YEAH. Amerika hat einen afroamerikanischen Präsidenten. Die ganze Welt so OBAMARAMA!
Wir fallen dabei auf neue Verpackungen und Labels, eines alten Produktes rein, das Kapitalismus heißt. Obamas Stab besteht fast ausschließlich aus Wall-Street-Bänkern, Merkel erfüllt den Finanzmärkten einen Wunsch nach dem Anderen, und Shermin Langhoff, die neue Intendantin erklärt in der ersten Betriebsversammlung, dass sie sich über jeden freut, der am Haus bleibt und verschickt gleichzeitig an ein Drittel der Angestellten Kündigungen. http://www.berliner-zeitung.de/kultur/maxim-gorki-theater-kuendigungswellen,10809150,21390060.html
Mir soll es hier gar nicht so sehr um die einzelnen Personen gehen (dafür weiß ich auch nicht genug über Frau Langhoff), aber um die schönen Tricks auf die wir reinfallen und wie kleine Kinder bei einem Feuerwerk „OH…ist das schön“ sagen. Die Probleme des Rassismus und Sexismus sind auf einen Schlag gelöst. Und alle so YEAH!. das der Einzelfall ein strukturelles Problem löst, ist leider ein Irrglaube. Es ist ein Etikettenschwindel dem wir hier erliegen. Und eigentlich sind dies leere Etiketten, da sie gar nicht in dem Referenz-Rahmen des Rassismus und Sexismus arbeiten, sondern diese Menschen Machtpositionen in kapitalistischen Gebilden inne haben. Und das vorrangige Interesse eines kapitalistischen Gebildes ist das Kapital. Das dies auf Staatsebene passiert wundert wahrscheinlich viele nicht mehr sonderlich. Das dies in der Kunst auch so ist, wundert schon mehr.
Der Artikel hebt ein weit verbreitetes Klischee hervor, dass Künstler, in diesem Fall Schauspieler und Regisseure es schon zu Ihrem Selbstverständnis gemacht haben, arm zu sein. Kunst dient halt einem höheren Gut als dem Geld. Problem ist nur, dass sie eigentlich Sklaven der kapitalistischen Prinzipien sind. Staaten kürzen Kulturetats mehr und mehr. Ähnlich wie Griechenland auf volkswirtschaftlicher Ebene, wird der Kulturbereich als eine Art Labor genutzt. Wie viel kann man sparen, bis etwas stirbt. Das griechische Volk geht im Gegensatz zu Künstlern wenigstens auf die Strasse. Sprich, es gibt eine Art des politischen Bewusstseins. Viele Künstler meinen per se politisch zu sein. Künstler sind halt arm. Aber ein politisches Bewusstsein müsste eine gerechtere Position für sich selbst einfordern. Die Romantisierung Ihrer eigenen Versklavung ist allerdings das genaue Gegenteil davon. Da wundert es mich kaum, dass Theater und viele andere Künste wirklich niemanden mehr interessieren. Denn das aufklärerische und vielleicht sogar revolutionäre Potential, das es einmal inne hatte, ist verschwunden. Statt ein Labor für Utopien zu sein, verkommen die Künste zu einem weiteren Experimentierfeld des Kapitals.

Ein Text von Can Gezer

Das schönste Geschenk

In Meinung, Staatsgewalt on Dezember 18, 2012 at 10:08 am

Weihnachten steht vor der Tür. Die Menschen rennen durch Geschäfte um Geschenke zu besorgen. Finanzminister Schäuble muss nicht rennen. Er hat sich ein Geschenk für 36 deutsche Banken ausgedacht, das es in keinem Geschäft zu kaufen gibt. Den Pleiteschutz. Dieses Geschenk ist genau so schön und einfach wie es klingt. Die ausgewählten Banken können nicht mehr pleite gehen, da sie vom Staat geschützt werden durch eventuelle finanzielle Hilfen gerettet werden können. Begründet wird dieser Schutz mit der „systemrelevanz“ dieser Banken für die deutsche Volkswirtschaft. Hier wird meines Erachtens ein folgenschwerer Logikfehler begangen. Ich bin kein Freund des Kapitalismus, aber wenn wir uns auf seine Logik einlassen, so wird hier ein Fehler offensichtlich.
Warum ist ein Unternehmen systemrelevant? Mit Sicherheit ist eine Bank nicht wichtig, weil sie viele Arbeitsplätze innerhalb unserer Volkswirtschaft stellt. Mit dieser Begründung würden ja Opel und andere gerettet, wobei es mit Sicherheit auch dort unterschiedliche Perspektiven gab. Daran kann es also nicht liegen. Schäuble und Merkel sprechen seit Jahren von einer „marktkonformen“ Demokratie. D.h., dass wir nach kapitalistischen Prinzipien regiert werden. Die kapitalistische Logik ist aber eine andere. Ist ein Unternehmen von der Pleite bedroht, so muss es sogar Pleite gehen, damit das Kapital einen effizienteren Weg findet.
„Dieser Prozess der schöpferischen Zerstörung ist das für den Kapitalismus wesentliche Faktum. Darin besteht der Kapitalismus, und darin muss auch jedes kapitalistische Gebilde leben.“ Joseph Schumpeter
Der Markt reguliert sich halt selber. Es bedarf keiner Eingriffe von Staatsseite um dem Kapitalismus zu dienen. Jeder Eingriff ist in dieser Logik sogar schädlich, da die dem Markt inne liegende Intelligenz die ideale Lösung bereithält. Kapital wird in diesem Falle ja nicht verbrannt, sondern nur umgeschichtet. Geht ein Unternehmen Pleite, nimmt ein anderes seinen Platz ein, nimmt das Geld der Kunden, stellt bessere Produkte zur Verfügung.
Der Eingriff könnte also als eine Art Sozialleistung gesehen werden. Sozial gegenüber den Unternehmen, die nicht mehr zeitgemäß sind, damit der Status Quo aufrecht erhalten wird. Ähnlich der Versuche das klassische Familienbild aufrecht zu erhalten. Wir könnten also froh darüber sein. Menschen sind ja nicht mehr so wichtig, aber Unternehmen. Und diesen gegenüber verhält sich unsere Regierung sozial, weil die Unternehmen sich ja angeblich um die Mitarbeiter kümmern.
Wird einem Unternehmen aber ein Pleiteschutz garantiert, so wird es aus seinem natürlichen Umfeld herausgenommen. Konkurrenz muss nicht länger ernst genommen werden, da die Gefahr des Scheiterns ja zu Nichte gemacht wird. Dann geht es nur noch um Machterhalt und -ausweitung. Und wenn die „Marktkonformität“ nicht mehr für ein Unternehmen gilt, wird es noch mächtiger, als es ohnehin schon ist. Es kann dann völlig frei von logischen Gesetzen handeln und Markt als auch Staat seine Regeln diktieren. Diese Banken werden zu unseren Diktatoren. Und ihr Credo hat der ehemalige Deutsche Bank Chef Rolf E. Breuer auf den Punkt gebracht:
„Wir sind polygam, wir treiben es mit vielen, und haben auch noch Spaß daran.“

 

Ein Text von Can Gezer

Deutschland war mal

In Staatsgewalt on Oktober 1, 2012 at 9:19 am

Ich glaube nicht an das Märchen von Vollbeschäftigung. An das Märchen von wer arbeiten will, der kann auch arbeiten. Ich glaube nicht an Chancengleichheit. Ich glaube nicht an erfolgreichen Protest gegen Sparmassnahmen. Ich glaube nicht an Beseitigung von Kinderarmut, Altersarmut oder einfach Armut. Ich glaube nicht an soziale Gerechtigkeit.
Ich glaube an den Kapitalismus als globale Ideologie und Struktur. Das heißt nicht, dass ich ein Befürworter bin. Aber wenn wir dem nicht ins Auge sehen, sind wir auch unfähig etwas zu ändern.
Ich glaube auch nicht an das Märchen der Nationalstaaten. Regierungen bilden die Erfüllungsgehilfen für multinationale Unternehmen. Und diese Unternehmen haben ein Interesse: Das Kapital. Geld ist geschlechtslos, staatenlos und interessiert sich lediglich für seine Vermehrung. Der globale Finanzmarkt ist die vorherrschende Institution auf diesem Planeten. Daraus folgt, dass eine Pariser Regierung enger mit der Börse in Jakarta verwoben ist, als mit einem Pariser Vorort. Dass eine deutsche Regierung sich mehr für globale Finanzkonzerne interessiert als für Bildungsoffensiven in sozial schwachen Bezirken von Berlin, Bamberg, Bremen oder Bingen.
Und das ist innerhalb der kapitalistischen Logik auch richtig, da dieser virtuelle Geldmarkt diese Menschen nicht braucht. Den schließlich ist der Mensch fehlerhaft. Am Ende steht seine Ausradierung.
Der Finanzmarkt ist gekoppelt an Quartalsberichte. Langfristige Investitionen lassen sich hier nur schwer überzeugend darstellen. Dinge, die keinen direkten Outcome haben hemmen die Kapitalvermehrung. Deshalb ist es auch völlig richtig, dass an Sozialausgaben gespart wird, dass Bildung und Kultur immer weniger Geld erhalten. Da diese Bereiche kein direktes Wachstum versprechen. Deshalb ist es richtig Griechenland als Laboratorium zu nutzen, um zu sehen wie viel man einsparen kann, bevor ein Staat völlig kollabiert.
Wir sollten uns von dem nostalgischen Gedanken verabschieden in einem Staat zu leben. Ja, wir leben in Deutschland. Geographisch gesehen. Strukturell gesehen müssen wir uns aber eher als globale Ressource begreifen. Unsere Situation ist nicht anders als die jeden anderen Europäers. Aber auch nicht anders als die eines Brasilianers oder Japaners.
Der Wunsch nach der guten alten Zeit, der sozialen Marktwirtschaft ist nichts weiter als ein erneuter Versuch die Idee des Nationalstaates hochzuhalten. Diese Zeit ist vorbei und doch wird diese Idee von Politikern, Medien und uns geteilt. Wir sollten uns von ihr verabschieden. Wenn wir eine Lösung oder einen Ausweg finden wollen, müssen wir uns dieser Realität stellen. Alles andere wäre verklärende Nostalgie. Wir müssen uns von einer langen Beziehung verabschieden. Der Herr Vater hat viele Kinder, mit vielen Frauen auf dem Erdball. Er hat Landstriche bevölkert. Und wir sollten uns wie Erwachsene verhalten und diesen Umstand anerkennen statt wie kleine Kinder zu jammern.
Ich weiß auch keine Lösung. Aber wir sollten dem Problem in die Augen schauen.

Ein Text von Can Gezer

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