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Abra-abra-cadabra, Abracadabra

In Gewalt in Kommunikation, Meinung on Januar 14, 2013 at 4:42 pm

Hex, hex! Der Verleger Klaus Willberg des Stuttgarter Thienemann-Verlags hat Überlegung geäußert die Klassiker der Kinderbücher zu überarbeiten. Und seit dem streiten überall Menschen darüber, Meinungen werden gedruckt und mir tut sich der Verdacht auf, dass hier mehrere Diskurse vermischt werden, die ich alle für wichtig halte.

Was ist passiert? Otfried Preußler, Autor  des Buches „Kleine Hexe“ hat diskrimimiernde Worte in seinem Werk geändert. Das Ganze passierte anlässlich des 90. Geburtstag des Autors. Klaus Willberg, Verleger des Thienemann-Verlags äußert das Vorhabe, aus Gründen der Verständlichkeit, mehrere in die Jahre gekommenen Kinderbücher, sprachlich an die heutige Zeit anzupassen. Und vor ein paar Wochen äußerte Kristina Schröder, dass sie rassistische Passagen in Kinderbüchern beim Vorlesen „entschärfe“.

In den Kommentaren und Diskussionen hört man immer wieder Rassismus-Gegner, die Änderungen befürworten und Menschen die von Zensur sprechen. Einatmen. Ausatmen. Fangen wir an es aufzubröseln:

wenn ein Autor seinen Text ändert so wie Preußler es getan hat, weil der Geschichte diskriminierende Begriffe innewohnen, finde ich das toll. Ein Mensch gibt einen Fehler zu, bzw. ändert seine Meinung und in diesem Fall sein Werk. Ganz wichtig dabei: es ist seins. Er ist der Künstler. Und hier ist direkt ein essenzieller Punkt: ein Kinderbuch, genauso wie viele andere Bücher, Gemälde, Bühnenprojekte sind Kunstwerke. Es ist kein Lehrbuch, das dem letzten Erkenntnisstand angepasst, und in neuer Auflage gedruckt wird.

Das Werk eines Künstlers darf nicht geändert werden, denn es verletzt das Urheberrecht, wäre Zensur, ein Einschränken der Meinungsfreiheit und das Verfälschen eines Zeitdokuments. Und ich möchte überhaupt nicht bestreiten, dass sich etliche rassistische Begriffe in Kinderbüchern finden. Der Vorschlag von Willberg ist für mich deshalb nicht diskutierbar. Um so mehr, wenn ich seine Position des Verlegers betrachte. Er sagt, dass Begriffe wie „Schuhe wichsen“ in „Schuhe putzen“ geändert werden sollten, damit Kinder sie heute verstehen. Wenn die Kinder die Geschichten verstehen, verkauft er mehr Bücher. Es ist also ein auch von Profit geleiteter Gedanke. Denn es ist billiger Texte zu ändern und neu aufzulegen, als neue Geschichten zu finden, die den Ansprüchen der Verständlichkeit und Frei von Diskriminierung zu sein, genügen. Diese finden sich kaum, da sie nicht marktkonform sind. Die einzige Auflistung von solchen Kinderbüchern, die ich finden konnte, ist auf der Website des Vereins Gladt.

Und damit sind wir beim nächsten Problem. Dem Rassismus. Ja, er ist ein Problem unserer Gesellschaft. Das wird gerade daran deutlich, dass „Produkte“ (in diesem Falle Kunst) keinen Platz im Markt haben, die nicht dem Status Quo entsprechen. Und dieser ist rassistisch, sexistisch und homophob geprägt. und es ist ja auch ein verständliches Unterfangen schon bei Kindern anzufangen, aber nicht um jeden Preis. Denn wenn wir Kunst zensieren, bedeutet das für mich das genaue Gegenteil von Aufklärung, die wir Kindern zu Gute kommen lassen wollen. Fangen wir an Wörter aus Büchern zu nehmen, müssen wir auch Filme bearbeiten, Musiktexte ändern, Gemälde verändern. Denn warum sollte nicht dasselbe für Erwachsene gelten, die durch ihr Verhalten und Sprechen wesentlich zum Erhalt der diskriminierenden Gegenwart beitragen. Sprache ist Handeln, aber der Versuch der Ausradierung bestimmter Begrifflichkeiten ändert daran nichts.

„Es liegt in der Natur alles Menschlichen, dass jede in der Geschichte der Menschheit einmal vollbrachte Handlung noch lange nachdem ihre Wirklichkeit Vergangenheit geworden ist, der Menschheit als Möglichkeit verbleibt… Hat sich eine spezielle Handlung erst einmal ereignet, ist es wahrscheinlicher, dass sie sich erneut ereignet, als ihr erstes Auftreten je hätte sein können.“

Londons Outrage Fanzine, 1976

Und aus diesem Grund sollten wir all diese diskriminierenden Begriffen und Strukturen benennen und uns mit ihnen auseinandersetzen, da Verbote keine Lösungen sind, sondern lediglich Probleme verlagern. Der Kampf für eine emanzipierte Gesellschaft ist anstrengend und nicht durch Eingriffe in alte Kunstwerke zu gewinnen, sondern nur durch permanenten, anstrengenden Dialog. Ich kann sehr gut verstehen, wenn man abends nach Hause kommt und dann seinem Kind einfach nur eine Geschichte aus einem Buch vorlesen möchte. Das dann aber Erklärungen anfangen müssen, ist Teil des Problems. Und das Persönliche ist immer das Politische.

Ein Text von Can Gezer

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Integration in Deutschland

In Gewalt in Kommunikation, Netzschau, Staatsgewalt on Dezember 18, 2012 at 10:10 am

Das Migazine teilt ebenfalls die Rassimusdefinition nach Albert Memmi und kommt zu dem Schluss, dass viele deutsche Studien das Problem nur noch verstärken. Text aus dem Migazine kopiert.
Die Verfasserin ist geborene Fürtherin. Sie hat ein Abitur vom Dürer-Gymnasium in Nürnberg; einen Bachelor in Allgemeine Geisteswissenschaften und einen Master in Öffentliche Verwaltung vom Western Michigan University. Sie ist im Jahre 1998 in die USA ausgewandert und lebt seit 2011 wieder in Deutschland. Sie sitzt im Vorstand der internationalen gesellschaft für diversity management (idm) und Bündnis 90/die Grünen, Kreisverband Nürnberg. Sie hat ihr eigenes Blog, wo sie Artikel über Diversity, Anti-Diskriminierung, Chancengleicheit und ähnliche Themen veröffentlicht.

Moralisch und wissenschaftlich bedenkliche Studien

In Deutschland gibt es Integrationsstudien im Überfluss aber immer noch keine Definition, was Integration bedeuten soll. Länder wie die USA sind da viel weiter. Alev Dudek skizziert, wieso Deutschland zurückliegt.

Integration in Deutschland Moralisch und wissenschaftlich bedenkliche StudienViele Integrationsstudien verletzen die Privatsphäre © nico_duesing @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
VON Alev Dudek

DATUM18. Dezember 2012

„Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher und fiktiver Unterschiede zum Vorteil des Anklägers und zum Nachteil des Opfers, mit der seine Privilegien […] gerechtfertigt werden sollen.“ Memmi, A. (1982): Rassismus. Frankfurt a.M. 1987

In Deutschland gibt es einen Überfluss von wissenschaftlich und moralisch zweifelhaften „Integrationsstudien“, die gemäß der Definition von Albert Memmi (siehe Box rechts) rassistische Elemente aufweisen. Diese Studien lenken von den eigentlichen Problemen wie Ethnozentrismus und Diskriminierung ab und verlagern die Aufmerksamkeit vom „Täter“ auf die „Opfer. Sie etablieren überwiegend die Ungleichheit der „Objekte“ und kommunizieren die Unterlegenheit der „Menschen mit Migrationshintergrund“.

Diskriminierungsstudien im Gegensatz dazu würden die ungleiche Behandlung gleichwertiger „Objekte“ untersuchen. Der Diskriminierungsansatz aber stößt in Deutschland auf sehr viel Wiederstand. Ein Teufelskreis, denn das Fehlen einer adäquaten Auseinandersetzung mit Diskriminierung verstärkt wiederum den rassistischen Effekt der „Integrationsstudien“. Darin wird meist untersucht, wie die Opfer durch ihre angeblich fehlende Sprache und Bildung, das Status-quo der Exklusion herstellen.

Im Gegensatz dazu gibt es keine ausgeprägte Sprache und klare Definitionen von unterschiedlichen Konzepten für Einbeziehung und Teilhabe. Es fehlen Studien über unterschiedliche Facetten von Diskriminierung. Allgemein scheint es in Deutschland sehr viel Konfusion über unterschiedliche Aspekte von Teilhabe und Vielfalt zu geben. Hier einige Beispiele:

  • Das Wort Inklusion beispielsweise wird fälschlicherweise limitiert in Bezug auf Menschen mit Behinderung(en) benutzt. Dabei ist Inklusion das Gegenteil von Exklusion und bedeutet Einbeziehung, Einschluss und hat nichts mit Behinderung zu tun. Daher sollte die Inklusion von allen Menschen das Ziel sein. Die Einschränkung auf Menschen mit Behinderung(en) trägt zu den vorhandenen „Missverständnissen“ bei.
  • Die Studie über die anonymen Bewerbungsverfahren wurde in Deutschland erstmals Anfang 2012 durchgeführt. Gegeben der „rechtlichen“ Einschränkungen, die diese Studie ausgesetzt war und die allgemeine Einstellung in Deutschland, reflektieren diese Daten nicht einmal das eigentliche Ausmaß der Diskriminierung im Arbeitsmarkt. Diese Studien gehören in Ländern wie USA zum Standardwissen.
  • Wir wissen, dass Frauen statistisch gesehen, für dieselbe Arbeit, bei gleicher Qualifikation weniger bezahlt werden als Männer. Nun, dasselbe gilt auch für „Menschen mit Migrationshintergrund“. Statistisch gesehen verdienen „Menschen mit Migrationshintergrund“ bei gleicher Schulbildung und Qualifikation weniger als weiße Deutsche. Es fehlen aber nicht nur Studien und Daten über dieses Phänomen, nein, es wird nicht einmal angesprochen. In den USA gibt es Studien dazu im Überfluss. Das Wissen über dieses Phänomen gehört zum Standardwissen der Inklusionsarbeit.
  • Der Diversity Ansatz wird in Deutschland überwiegend von einer auf Gender-Diversity limitierten Perspektive behandelt. Es ist unklar, warum ethnische und racial Diversity kontroverse Themen in Deutschland darstellen. Das Ziel vom Diversity Management ist die Förderung aller benachteiligten „Gruppen“ damit eine Wertschöpfung aus den Differenzen stattfinden kann. Die Grundlage von Diversity ist die Wertschätzung von Differenzen und ist somit eine gute Methode für den Abbau von Ethnozentrismus. Der Ethnozentrismus ist eine wesentliche Barriere zur Integration ist aber kaum Bestandteil der Integrationsdebatte.

Nun kommen wir dazu, was wir in Deutschland im Überfluss haben: Studien über angebliche Aspekte von Integration, die von x-beliebigen Perspektiven erforscht wurden.

Der Integrationsreport des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat beispielsweise die „sprachliche Integration von Migranten“, Türken, Jugoslawen, Italiener, Griechen und Polen untersucht. Laut offiziellen Aussagen, erfolgt Integration aber „zweiseitig“. Hier stellt sich dann die Frage: Wieso werden nur die „nicht Deutschen“ „untersucht“? Wo sind die Studien, die uns darüber aufklären, wie sich die „Deutschen“ in die deutsche Gesellschaft integrieren oder was und wie sie zu der gegenseitigen Integration beitragen?

Laut BAMF bilden „Deutschkenntnisse […] einen zentralen Aspekt und können als ein Maßstab der Integration von Migranten in die Aufnahmegesellschaft betrachtet werden.“ Wie aber kommt das BAMF darauf, Integration stünde im direkten Verhältnis mit Sprachkenntnissen oder „Menschen mit Migrationshintergrund“ könnten so schlecht deutsch sprechen, dass sie sich nicht integriert könnten? Wie viele Menschen in Deutschland sprechen wirklich so schlecht Deutsch, dass man sich mit ihnen überhaupt nicht verständigen kann, wenn man wollte?

Was ist denn Integration überhaupt, wie misst man sie und wer entscheidet wie integriert jemand ist? Etwa der deutsche Staat?

Die ethnozentrische Perspektive in vielen Integrationsstudien ist ein Hinweis dafür, dass wir in Deutschland eine Assimilationspolitik betreiben. Die Behauptung, dass Menschen mit Migrationshintergrund schlecht Deutsch sprechen, ist ein Schlüsselaspekt unserer Propaganda. Damit können wir die fehlende Repräsentation von „Menschen mit Migrationshintergrund“ in öffentliche Verwaltung, in der Politik, in vielen Funktionen des öffentlichen Lebens und im Arbeitsmarkt rechtfertigen.

Nehmen wir einen Fall, wo es stimmt, dass jemand nicht gut deutsch spricht. Daraus automatisch zu folgern, er sei nicht integriert, ist rassistisch. Könnte sich der deutschstämmige Andreas kaum ausdrücken, würde niemand auf die Idee kommen, ihn als nicht integriert einzustufen. Denn Andreas ist kein Objekt der Integrationsstudien, wie es die Emine ist. Diese Studien unterliegen der ethnozentrischen Annahme, alle Deutschen könnten gut Deutsch sprechen. Folglich hinterfragt man nur die Deutschkenntnisse der „nicht Deutschen“.

Was ist es aber, wenn Emine nur English spricht, weil sie für eine internationale Firma arbeitet und damit sehr gut in Deutschland zurechtkommt? Sie trifft sich mit FreundInnen, ist im Sportverein, besucht Konzerte, ist erfolgreich und zahlt ihre Steuern. Aber „offiziell“, wäre Emine nicht integriert – im Gegensatz zu Andreas, der möglicherweise ständig betrunken ist, keine Freunde hat und an öffentlichen Veranstaltungen nicht teilnimmt.

Jeder Mensch hat das Recht, im gesetzlich-moralischen Rahmen sein Leben selbst zu bestimmen. Und viele Elemente der Integrationsdebatte wie wir sie in Deutschland führen verletzen das Selbstbestimmungsrecht unserer Mitbürger.

Auch dazu ein konkretes Beispiel: In einer BAMF-Studie wird die Wohnungsausstattung der „Menschen mit Migrationshintergrund“ untersucht; ein willkürlicher Ansatz, der die Privatsphäre verletzt und dessen Verbindung zu Integration sehr fragwürdig ist. Auch die Schader Stiftung scheint die Wohnsituation der „Türken“ interessantzu finden.

Diese Art von Informationserwerb, wie sie in der Schader Studie ausgeführt wird, ist moralisch und wissenschaftlich sehr bedenklich. Wenn es um Wohnungsdiskriminierung geht, gibt es Tester-Methoden, die z.B. in den USA effektiv eingesetzt werden. Wohnungsdiskriminierung ist, anders als Diskriminierung am Arbeitsmarkt, ziemlich einfach zu detektieren.

Unterschiede in Wohnverhältnissen können unter anderem durch Diskriminierung am Arbeitsmarkt bedingt sein. Dafür sollten wir den deutschen Arbeitsmarkt untersuchen und reformieren, anstatt ethnische Details der Menschen, die keine eigene Toilette in ihren Wohnungen haben oder keine Möglichkeit haben, in ihren Wohnungen zu duschen, zu untersuchen.

Nebenbei sei hier die Frage erlaubt: Wieso darf in einem hochregulierten Land wie Deutschland, wo sogar der Familiennachzug von der Größe des Wohnraumes abhängt, es überhaupt Wohnungen ohne Dusche/Bad geben? In einer zivilisierten Gesellschaft gehört die körperliche Hygiene zum Grundbedürfnis. In manchen „Kulturkreisen“ wird täglich geduscht – in den USA beispielsweise. Gegeben dieses Faktes, scheint es in Deutschland ein dringenderes Problem zu geben, als die Nicht-Assimilation von „Türken“.

Die eingeschränkte Perspektive und das Fehlen einer adäquaten wissenschaftlichen Aufklärung in der „Integrationsdebatte“ in Deutschland sind höchst alarmierend. In diesem Zusammenhang ließen sich viele weitere Probleme ansprechen, die aber den hier gegebenen Rahmen sprengen würden.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass eine überwiegende Mehrheit der Integrationsstudien negative Messages über „nicht Deutsche“ verbreiten und wenig mit der Realität oder der Verbesserung des Status-quo zu tun haben. Sie kommunizieren lediglich die Unterlegenheit der „nicht Deutschen“ und werten damit die Dominante Kultur auf. Solche rassistische Ansätze haben in der Wissenschaft nichts zu suchen.

Ein Schlüsselaspekt für Integration ist die Integration unserer Mitbürger am Arbeitsmarkt. Durch faire Chancen auf dem Arbeitsmarkt können sich Menschen besser verwirklichen und werden sich automatisch „integrieren“. Durch Anti-Diskriminierungs- und Diversity-Aufklärung kann man in diesem Gebiet sehr viel erreichen. Dann kommt auch niemand auf die dumme Idee, sich mit den Abort- und Duschbedingungen der „nicht Deutschen“ als vermeintliche Integrationsindikatoren zu beschäftigen.

DANKE,

ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen:

Warum Evolution Rassismus einschließt und wieso dann ausgerechnet der gemeine Neonazi von seinem Ideal weiter entfernt ist als Otto Normal

In Netzschau on November 5, 2012 at 5:11 am

Wer diese Überschrift bewältigt hat verfügt über eine gewisse Lesekompetenz. Sehr gut. Eventuell haben Sie damit soeben eine Daseinsberechtigung erlangt.

Was nicht passt, wird passend gemacht. Da kennt die Evolution keine Gnade. Wann immer sich die Lebensbedingungen einer Art ändern, muss die Art sich diesen Bedingungen entweder anpassen oder sie muss aussterben. Das gilt für zahlreiche Tiere und Pflanzen seit Anbeginn der Erde und das galt auch einmal für den Menschen. Nicht, dass der heutige Homo Sapiens tatsächlich das Ende aller Weisheit wäre – auch wenn er das von sich selbst immer wieder glauben möchte. Auch er ist selbstverständlich weiterhin Teil dieser Abläufe, allerdings haben sich die Bedingungen für ihn, durch z.B. Medizin und Technologie, ein wenig verschoben. Besucht man einen fünfhundertjährigen Friedhof, so kann man folgende Entwicklung deutlich erkennen: Unter den ältesten Gräbern finden sich zahlreiche Kindergräber. Vor fünfhundert Jahren starben also ganz offensichtlich noch sehr viel mehr Menschen vor Erreichen der Volljährigkeit als das heute noch der Fall ist. Berücksichtigt man, dass sich vor fünfhundert Jahren nur der Klerus und der Adel ein solches Begräbnis leisten konnten, kommt man auf eine enorme Dunkelziffer.

Damals starben diese Kinder, weil sie nicht überlebensfähig waren. Ihr Immunsystem war den damaligen Verhältnissen nicht optimal angepasst und die Evolution „entschied“, dass diese kleinen Menschen niemals die Zeugungsfähigkeit erlangen sollten. Damit stellte die Evolution quasi sicher, dass kein“ fehlerhaftes Material“ weitergegeben werden sollte. Die Evolution kennt in derlei Fragen keine Milde. Die Evolution ist ein ganz und gar rassistisches System, dass Lebewesen einteilt in „Funktionsfähig“ oder „Abfall“. Heute helfen Impfungen, OPs und Brutkästen da, wo früher nur der Tod bereitstand. Der Mensch hat sich somit einen „Vorteil“ verschafft, indem er nun persönlich darüber entscheidet, welche Leben „lebenswert“ ist. Dass er die Evolution damit nur herausfordert, die dann ihrerseits gezwungen ist, neue Mutationen von Viren zu erschaffen, gerät in der Momentaufnahme in Vergessenheit. Die Phase, in welcher der Mensch gelernt hat, sich gegen die natürliche Auslese weitestgehend zu wehren, ist im Verlauf der Evolutionsgeschichte allerdings nicht viel länger als eine Millisekunde. Viren mutieren weiterhin und werden resistent, das Spiel ist noch lange nicht gewonnen. Die Evolution passiert langsam, aber sie nimmt sich, was ihr zusteht. Wir können ihrer Ungnade vielleicht über einige Epochen entkommen, aber den längsten Atem hat die Evolution die schon immer währt, wenn wir dem aktuellen Stand der Wissenschaft glauben können. Dass auch allgemeingültige „Tatsachen“ wie die Evolution oder beispielsweise die Existenz von Atomen ebenso anfechtbar sind wie „andere Religionen“ ist ein Thema für sich, auf das wir in diesem Blog auch noch zurückkommen werden.

Die Evolution ist ein niemals endender Optimierungsversuch. Sie ist das Streben nach Perfektion, dem sich alle Arten unterordnen. Jedes Wesen auf diesem Planeten schafft sich nach seinen Bedingungen und Veranlagungen die jeweils optimalen Lebensumstände. Für den Vogel, dessen Schnabel sich dem Wuchs einer Orchideenblüte angepasst hat bedeutet das, dass er umherfliegen und möglichst viel Nektar sammeln kann und muss und für den Menschen mit seinen Händen, dem aufrechten Gang und dem wachsenden Wissen bedeutet das, dass er anbaut und isst, bzw. einkauft und isst und eben auch, dass er forscht und sich weiterbildet. Im Gegensatz zu den meisten Tieren verfügen die Menschen über ein besseres Bewusstsein und die Fähigkeit, selbst etwas zu erschaffen. Während die meisten Tiere immer gleichen Mustern folgen und die gleichen Höhlen, Nester oder Tunnel bauen, bestimmt der Mensch selbst durch vielfältige Architektur und das Aufbringen virtueller Vermögenswerte, wie und zu welchen Zeiten er lebt. Somit verpflichtet sich der Mensch zu mehr als dem bloßen Erhalt seiner Existenz durch die Aufnahme von Nahrung und der Fortpflanzung. Der Mensch hat sehr viel mehr zu tun.

Besonders viel zu tun hat der Nazimensch. Hitler spendete 50.00 Reichsmark für die Errichtung einer Nietzsche Gedenkstätte, weil die Nationalsozialisten im Werk „Also sprach Zarathustra“ nationalsozialistische Ideologie begründet sahen. Hitler sah das Werk als einen Aufruf zur Ausrottung von „Gesindel“. Tatsächlich finden sich in dem Werk zum Beispiel Aussagen wie: „die Untauglichen sollen getötet werden, dann verschwinden sie schneller.“ Dass Nietzsche dabei allerdings von ganz anderen Menschen als den Juden spricht, ist für die Oberflächenphilosphie eines Adolf Hitlers nicht von Interesse gewesen. Im Grunde stellt das Werk eine Aufzeichnung über die Evolution des Geistes dar. Zarathustra ist ein imaginärer Weiser, der nach zehnjährigem Eremitendasein aus den Bergen zu den Menschen geht, um ihnen auf Marktplätzen seine Philosophie kundzutun. Da er vom Volk verspottet wird, zieht er weiter und sucht nach Menschen, deren Geist frei genug ist, damit er ihnen seine Lehren mitteilen kann. Diese Lehren sind nach Meinung der Nationalsozialisten erstrebenswerte Ziele für einen Nationalsozialisten.

Nietzsche beschreibt die drei Phasen der Wahrheits- und Selbstfindung mit folgendem Satz:

„Drei Verwandlungen nenne ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kamele wird, und zum Löwen das Kamel, und zum Kinde zuletzt der Löwe.“

Das Kamel steht für die Leidensfähigkeit, das Schulen in Demut und dem Ertragen, der Löwe für den autarken Geist, der erst durch die Demut zu seiner Souveränität gelangen kann. Der Löwe soll geltende Normen in Frage stellen und bekämpfen. Erst, wenn der Löwe alles zerstört hat, soll er zu Schaffen beginnen. Nicht auf alten Werten begründen seine Schöpfungen, sondern auf neuen und eigenen Philosophien. Mit der Naivität eines Kindes soll er nach neuen und eigenen Werten etwas schaffen. Das große Ziel Zarathustras Lehre ist der Übermensch. Der Übermensch ist eine Utopie vom Menschen, der alle Krankheiten und Abhängigkeiten überwunden hat. Die Nationalsozialisten sahen in dem Begriff ihre Theorie vom Arier bekräftigt, der dieses Ideal nach Ansichten der Nazis allerdings per Geburt erhalten haben soll. Hitler ist nicht als großer Philosoph oder Leser bekannt. Hauptsächlich tragen die zweifelhaften Verbindungen zu Nietzsches Schwester und Mutter zu den falschen Einschätzungen bei, die Hitler Nietzsches Werk beimisst. Gelesen hat er es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, da das Buch von einer Entwicklung ausgeht und nicht von einer bereits vorhandenen „Menschenrasse“. Wer der Übermensch werden möchte, den Hitler als das Ideal bezeichnet, der hat einen harten Weg vor sich. Somit fällt der Durchschnittsdeutsche direkt raus aus diesem Ideal. Wer sich nicht der Einsamkeit aussetzt, wer nicht durch Demut zu Selbstsicherheit erlangt, wer nicht danach strebt, seinen Geist zu schulen, der gehört nämlich zu denen, die Zarathustra meint, wenn er sagt, es wäre besser, sie alle gleich auszurotten.

Ausgerottet würden dann aber nicht die Juden, die Afrikaner, die Türken oder Araber, ausgerottet würde dann die Mehrheit der Menschen. Alle die, die lieber den Fernseher einschalten als ein Buch zu lesen, all jene die nicht zur Demut und zum Tiefgang bereit sind und ebenjene, die lauthals Parolen rufen, die andere sich ausgedacht haben.

Buschkowsky-Debatte: Wir sprechen immer noch über Rassismus

In Gewalt in Kommunikation, Netzschau on Oktober 23, 2012 at 9:19 am

english version below

Gastbeitrag von Meike Büttner im Berliner Tagesspiegel am 23. Oktober 2012:

Ich habe Heinz Buschkowsky Rassismus vorgeworfen und ich tue es noch. Die Neuköllner SPD ist der Meinung, dass das Gespräch beendet ist und dass ich mich nicht wundern muss, wenn ich nun dafür verfolgt werde, dass ich meine politische Einstellung eben an der falschen Stelle geäußert habe. Hunderte von Menschen haben diese Meldung als Bestätigung empfunden und belästigen mich nun umso stärker. Nun erhalte ich zum Beispiel Mails, in welchen man mir schreibt: „Da, Du Volksverräterin. Deine Regierung ist auch gegen dich.“

Ich habe Herrn Buschkowsky nie einen Rassisten genannt und finde das auch nicht richtig.

Ich möchte Personen nicht klassifizieren und ich finde nicht, dass es bei so wichtigen Themen wie dem Rassismus um Personen gehen sollte. Weder um meine, noch um die des Neuköllner Bürgermeisters. Ich habe den Vorwurf erhoben, dass in Buschkowskys Buch getroffene Aussagen wie »Mit den Afrikanern ist noch mehr Brutalität, Drogen- und Alkoholmissbrauch eingezogen. Türkische und arabische Männer sitzen in den Cafés. Afrikanische Männer sitzen zu Hause, sehen fern, spielen, telefonieren und trinken. Afrikaner lassen sich noch schwerer in die Karten schauen als die anderen Ethnien« ganz klar Rassismus darstellen. Das ist per Definition Rassismus und diese Tatsache ist auch gar nicht streitbar. Da Rassismus immer auf Missverständnissen und Angst basiert, ist es ein Thema, über das man sich dringend auseinandersetzen muss. Da diese Form der Gewalt in unserem Leben einfach vorkommt, können wir nicht so tun, als wären wir blind, und diesem Gespräch immer wieder aus dem Weg gehen. Ich habe das Gespräch darum gesucht.

Nachdem die SPD Neukölln nicht nur den Rassimusvorwurf einfach abgewunken hat, sondern auch noch indirekt erklärte, dass  sie es für legitim halte, meine Person gewalttätig zu verfolgen, habe ich den Pressesprecher der SPD Neukölln, Joschka Langenbrinck, um ein Gespräch gebeten. Ich wollte mit ihm den Rassismusvorwurf klären und ihn fragen, wieso die SPD Neukölln es für gerechtfertigt hält, dass Menschen Straftaten gegen mich verübt haben. Ich wollte ihm berichten von der sexuellen Diskriminierung, die mir widerfahren ist, von dem Mobbing und Hacken meiner Internetseiten. All diese Vorgänge stellen Straftaten dar, die Herr Langenbrinck im Namen der SPD billigt. Berücksichtigt man diese Straftaten und die Aussage Herrn Langenbrincks, dass ich mich darüber nicht wundern müsse, kommt man ganz schnell zu dem Schluss, dass die SPD Neukölln sexuelle Diskriminierung, das Androhen von körperlicher Gewalt und politische Verfolgung unterstützt. Nachdem Herr Buschkowsky in seinem Buch ja ebendiese Vorgänge verurteilt, komme ich allerdings zu dem Schluss, dass Herr Langenbrinck sich geirrt haben muss.

Ich denke nicht, dass die SPD hinter solchen Aussagen stehen kann. Ich denke, Herr Langenbrinck muss sich geirrt haben, als er mir schlussendlich eine SMS schrieb, in welcher er erklärte, dass ein Gespräch nichts bringen würde. Er ging sogar noch weiter: Er bediente sich der genau gleichen Methoden wie meine Verfolger im Netz und recherchierte einen Schwank aus meinem Leben, um diesen plötzlich zum Inhalt der SMS zu machen. Das finde ich erschreckend. Es geht hier um Rassismus und nicht um meine Person. Erschreckend genug, dass man dem Dialog darüber aus dem Weg geht. Erschreckend auch, dass unter unserem virtuellen Streitgespräch im Tagesspiegel hunderte von Kommentatoren sich in Diskussionen über die beteiligten Personen ergießen, während zum Beispiel der Tagesspiegel-Artikel, der davon handelt, dass einer der V-Männer Gründer einer Ku-Klux-Klan-Gruppierung war, weniger als zehn Leserkommentare generiert. Über Rassismus möchte offenbar niemand reden. Lieber über Personen.

Am meisten hat es mich am Ende tatsächlich erschreckt, dass Herr Langenbrinck sich auf das Niveau der Internettrolle herabließ, indem er versuchte, mich zum Thema dieser Debatte zu machen. Meine Damen und Herren, es geht nicht um Buschkowsky und schon erst Recht gar nicht um mich. Es sollte auch in einer Justizkritik nicht um einen Kachelmann gehen oder in der Systemkritik um eine Julia Timoschenko. Es geht darum, dass unsere Politik nicht einfach nur Polemik und Personenkult sein darf. Es gibt in diesem Land genügend Stammtische, in den Rathäusern sollten sie lieber nicht stehen. Den Vorwurf, dass sich in Buschkowskys Buch rassistische Aussagen finden, zu denen eine sozialdemokratische Partei dringend Stellung beziehen sollte, halte ich selbstverständlich aufrecht. Nur darum sollte es gehen.
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Buschkowsky- Debate: We are still talking about racism
This article has been published in Berliner Tagesspiegel the 23rd of octobre 2012
I accused Heinz Bushkowsky of racism and I am still doing it. The Neukölln SPD (party of social democrats) has the opinion that this dialogue has been closed and that I might not be wondering, that I am now being haunted for advancing my opinion at the wrong place. Hundreds of people considered that their authentication for now blaming me even harder. I am receving mail saying: “There you are, demagogue. Even your Council is against you.”I never called Buschkowsky racist and I actually don’t think like that.I don’t want to classify people and I don’t think, that big issues like racism should be about single persons. This chat is not about me or the Neukölln major. We are talking about racism.
I reproached that statements in his book like the following are clearly racism:“With the Africans even more brutality, drug- and alcoholabuse has been moving in. Turkish and Arabic men are sitting in cafés. African men are sitting at home, watching tv, play, phone and drink. They are even harder to look through than the other ethnics.”This is racism per definition and this fact is not disputatious.
Racism always bases on fear and misunderstandings. That is the reason why we need to altercate with it because this kind of violence is just happening. We can’t just close our eyes and always try to pass this conversation. That’s why I tried striking up this conversation.After Neukölln SPD not just waved aside the Accuse of Racism but even legitimized, haunting me with violence, I asked the spokesmen Joschka Langnebrinck for a talk. I wanted to clear the claim of racism and ask him why his party finds criminal offenses, like had happened in this case, justified. I wanted to report about the sexual discrimination which has happened to me, about this mobbing, and the hacking of my webpage. All those are criminal offenses, Mr. Langenbrinck endorses in the name of the Neukölln party of social democrats. In other words:Neukölln Party of Social democrats is approving sexual harassment and violence. After Bushkowsky otherwise claims exactly facts like those in his book and condemns them, I have to think that Langenbrinck must have been made a mistake.I do not think that the SPD can stand behind statements like that. I think he must have been totally wrong, sending me a text message in which he explained that the dialogue wouldn’t be necessary. He even kept on moving forward and used the same method my chasers do: He investigated my background story and tried to put the subject on me. This kind of dealing with this issues really scares me. It’s all about racism, it’s not about my person.

Alarmingly enough, that everybody always is trying to avoid this dialogue. Even more alarmingly that an article posted at the same time in the same newspaper about a German Officer for the Protection of the Constitution being founder of a Ku Klux Klan generated less than ten comments, while our dispute generated hundreds of reader-comments. Every one of them just about the person of Buschkowsy or mine. Obviously nobody wants to talk about racism. Rather talk about people.

In the end, the thing that terrified me the most was, that Langenbrinck descented to the level of those internettrolls by trying to put the subject on me. Ladies and gentlemen, it’s not about Buschkowsky or Langenbrinck and is less than ever about me. Politics should not just be polemics or some personality cult. That’s a bar room level that should not be spoken in a town hall. I am still accusing some statements in this book racism. And I think this is a fact a party of social democrats should really need to deal with. This is what it should be all about.

Rassistische Hetze nach Gewalttat am Alexanderplatz

In Gewalt in Kommunikation, Netzschau on Oktober 19, 2012 at 8:44 am

english version below
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Mit freundlicher Genehmigung von Bernd Matthies veröffentlichen wir seinen Artikel aus dem Tagesspiegel vom 18.10.2012.

Nach der tödlichen Gewalttat am Alexanderplatz gibt es ein Kondolenzbuch, dort aber finden sich mehrere fremdenfeindliche, hetzerische Sprüche. „Wann werfen wir dieses Pack aus der Heimat?“, fragen Unbekannte mit Blick auf die Täter. Diese rassistische Selbstgewissheit des Spießertums macht frösteln.

Wenn sich in einer Gesellschaft etwas zusammenbraut, dann merken wir das an vermehrten Tabubrüchen. Es sind kleine Risse, denen größere folgen – es kommt eine verhängnisvolle Mechanik in Gang, der die Politik entschlossen gegensteuern muss. Da wird beispielsweise ein Rabbiner verprügelt, weil er Rabbiner ist. Auf U-Bahnhöfen und Straßen kommt es zu rätselhaften, unmotivierten Gewaltakten, und nun stirbt ein junger Mann einfach deshalb, weil andere gerade Lust auf seinen Tod hatten.

Es kann jeden treffen, das ist neu.

Doch auch die hetzerischen Sprüche im Kondolenzbuch für diesen traurigen Vorfall sind ein Tabubruch. Es gab mehrere fremdenfeindliche Eintragungen, dabei handelt es sich mit Blick auf die mutmaßlichen Täter etwa um Fragen wie „Wann werfen wir dieses Pack aus der Heimat?“. Ausgerechnet dort, wo unbeteiligte Menschen ihre Trauer ausdrücken können, um die Angehörigen des Opfers ein wenig zu trösten, ausgerechnet dort bricht nun jene Haltung durch, die wir mit routinierter Ironie als „gesundes Volksempfinden“ bezeichnen: die aggressive, in diesem Fall rassistische Selbstgewissheit des Spießertums. Es sind vermutlich ähnliche Gestalten wie jene, die kürzlich in der „Abendschau“ am Tatort herumkrakeelt haben, und sie machen frösteln.

Es braut sich etwas zusammen. Wir müssen hoffen, dass die Politik die Zeichen erkennt und Berlins Mordermittler ihrem Ruf gerecht werden – damit die Täter bestraft werden, und nur sie.
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Racist agitation after act of violence on Berlin Alexanderplatz

This article of Bernd Matthies has been published in the newspaper Berliner Tagesspiegel on Octobre the 18th.

If something concocts in society, we recognize it by increased breaking of taboos. It is  short cracks first followed by bigger ones –  a fatal mechanism gains momentum, which politics has to go against determinedly. There is this rabbi for example, who gets battered, just because the fact he is a rabbi. Baffling unmotivated acts of violence are happening in subway-stations and on the streets, and now a young man dies, just because of some others were willing to kill.
It can happen to everyone. Without a cause. This is new.

Even those agitations in the book of condolence are a breaking of taboo. Xenophobic statements have been written down, dealing with the as foreign described offenders by claiming questions like: “When do we finally expulse this pack from our homeland?” Just where uninvolved people have the opportunity to express their dolor and to cheer up the victim’s family a little, we can see the outbreaking attitude that we with usual irony trivialize by calling it  popular sentiment (in German there is a even more propagandistic word for that, which is hard to translate. It transports the belief, that it would be righteous, true and even healthy. We call it “gesundes Volksempfinden”): this aggressive, in this case racist self-certitude of the Babbittry. We could even see them jelling in the tv-reports about the murdering and they cause shivering.

Something concocts. We have to hope, that politics is recognizing the signs and that Berlin´s so called murders investigators live up to their names to punish the offenders, and just them.

Was redest Du?

In Gewalt in Kommunikation, Staatsgewalt on Oktober 13, 2012 at 10:10 am

„Die Sprache ist das ausführende Organ des Gedanken.“
Ludwig Wittgenstein

Mit Sprache machen wir was. Wir tun Dinge. Wir verständigen uns nicht nur, sondern loben, schmeicheln, verletzen, schlagen mit Worten. Unser Handeln, dessen wesentlicher Bestandteil unsere Worte sind schafft Realität. Der Mensch, der sagt, er verspricht einem anderen etwas, sein Wort aber nicht hält, gilt als unzuverlässig. Sprache ist also an relativ einfache Gelingensbedingungen geknüpft.
Aber Sprache ist auch dieses eigenartig verwobene Netz. Ein Wort bezieht sich auf ein anderes. Hinter einem Wort können Erinnerungen, Gefühle, Farben und ganze Welten liegen. Verschwinden Worte, verschwinden Ideen.
Seit der Einführung der Agenda 2010 gibt es die Worte HartzIV, Arge, Jobcenter und viele andere Worte mehr. Die Neubenennung von Dingen ist erst einmal nichts dramatisches. Dramatisch ist die Ideen-Auslöschung die in diesem Fall damit einhergeht. Das Wort Sozialhilfe ist seit dem mehr und mehr aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Eine sehr vielschichtige Gruppe von Menschen wird unter dem Begriff HartzIVler geführt. Gleichzeitig ist dieser Begriff mit der Zeit völlig stigmatisiert worden. Sie gelten als arbeitsscheu, faul, bildungsfern. HartzIVler sind eigentlich schon abgeschrieben. Das Lumpenproletariat, dass eigentlich keiner braucht, aber da ist. Menschen mit keinerlei Nutzen für die Gesellschaft.
Die Idee, dass es sich um wie auch immer benachteiligte Menschen handelt, die auf Hilfe der Gesellschaft angewiesen sind, ist nach und nach ausradiert worden. Die Schwachen sitzen jetzt in einem Boot mit den Unwilligen. Das führt zu zwei Problemen. Das erste rührt daher, dass ein gesellschaftliches Prinzip aufgehoben wird, da Politik als Erfüllungsgehilfe der Wirtschaft fungiert. Dies ist eine Verschiebung in unserer Sprache die Menschen einzig nach dem Nutzen für die Wirtschaft beurteilt. Ein Mensch der seine Arbeitskraft nicht zur Verfügung stellen kann – aus welchen Gründen auch immer – fällt heraus aus dem relevanten Rahmen und ist sich selbst überlassen.
Diese Verschiebung findet auch an anderen Stellen statt. Durch europaweit normierte Studiengänge an den Universitäten – transparent geworden durch Credit-Point Systeme – zieht eine Verschiebung vielleicht auch Ausradierung des Bildungsbegriffs mit sich. Wenn alle Vergleichbar sind, kommt es auf die Schnelligkeit an. Je schneller ich mit besseren Noten abgeschlossen habe, umso besser bin ich qualifiziert. Heutige Universitäten bilden nicht, sondern bilden aus. Menschen werden für den Markt brauchbar gemacht. Das Bildung aber etwas ist, dass organisch wächst und nicht ähnlich einem Software-Update vollzogen wird, geht dabei verloren. Das maschinistische Menschenbild durchzieht unsere Sprache immer mehr. Wir machen Sport um leistungsfähig zu sein, Krankheiten sind Defekte, die durch Systemeinstellungen in Form von Medikamenten behoben werden können. Das Hirn ist ein Computer der unglaubliche Speicherkapazitäten hat und elektronische Medien sind Verlängerungen unserer Gliedmaßen.
Wir leben in Metaphern. Metaphern sind aber nicht einfach nur Worte, sondern hinter ihnen liegen Welten, die bestimmte Dinge hervorheben, andere aber ausblenden. Die Maschinen-Metapher bezeichnet den Mensch in immer mehr Diskursen. Sie teilt uns auf in nutzlosen Elektro-Schrott und leistungsfähige Supercomputer. Vielleicht wäre es möglich nicht mehr zeitgemäße Modelle upzudaten, aber lohnt sich der Aufwand? Ist das effektiv?
Wenn wir uns auf diesen Gedanken einlassen führt uns das zum zweiten Problem: Wenn Menschen wie Maschinen betrachtet werden, löscht das nach und nach einen sozialen Gedanken. Das ist verbunden mit einer immensen Bedeutungslosigkeit des Einzelnen. Gleichzeitig wird das politische System als gleichgeblieben wahrgenommen, da es sich auf sprachlicher Ebene nicht verändert hat. Wir leben in einer Republik, in der es große Volksparteien gibt, die sich für ein starkes Deutschland einsetzen.
Hier findet seit Jahren eine sprachliche Verschiebung auf anderer Ebene statt. Themen wie Integration, Umgang mit Einwanderern und anderen Schwachen unterliegen einem Überschriftenwechsel. Die Art und Weise wie immer wieder über beispielsweise Migranten gesprochen wird, hat sich nicht grundlegend verändert. Verändert hat sich, dass die großen Volksparteien die Argumentationen der extremen Parteien übernehmen. Dadurch findet eine Verschiebung nach rechts statt. Allerdings sind dies Parteien der Mitte. Wenn also die Mitte so spricht, kann es ja gar nicht rechts sein. Ist es allerdings doch. Eben weil Sprache Realität formt. Die Begriffe Sozialdemokratisch, Christlich-Demokratisch, Grün oder Liberal sind sinnentleert worden durch die Komplizenschaft mit der Wirtschaft. Die unter den leeren Überschriften stattfindenden Gespräche aber sind rassistischen Ursprungs und verstärken sie. Schaffen also eine rassistische Realität. Wir sind wieder bei dem Versprechen vom Beginn. Ich sage, dass ich etwas tue, mache es aber nicht. Ich behaupte ich sei Demokrat, meine Sprache, also mein Handeln ist allerdings rassistisch.
Wir sollten uns immer wieder daran erinnern, dass wir Dinge tun, wenn wir sprechen. Das kann manchmal fürchterlich anstrengend und lästig sein. Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Wir können durch unsere Sprache die Welt verändern. Jede Idee die gedacht und ausgesprochen wird, bleibt als Möglichkeit bestehen. und dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit der Wiederholung um ein Vielfaches. Wir sind nicht grenzenlos frei in unseren Handlungen, aber wir haben unsere Sprache die viel mehr verändern kann als wir vielleicht dachten.
„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“
Ludwig Wittgenstein
Ein Text von Can Gezer

Was bist du?

In Gewalt in Kommunikation on September 27, 2012 at 9:37 am

„Hallo, ich bin Can.“
„Jean.“
„Nein. Can.“
„Ach, Gianni.“
„Nein, Can.“
„Jan.“
„Can.“
„John.“
„Can.“
Woher kommt das?
„Das ist ein türkischer Name.“
„Klingt asiatisch. Du siehst aber nicht so aus.“
„Wie sehe ich denn aus?“
„Eher so italienisch oder ehemaliges Jugoslawien.“

Vielleicht wollen einige von Euch wissen, wo ich denn jetzt wirklich herkomme? Na gut. Mein Vater ist Türke. Um genau zu sein Kurde. Meine Mutter Lettin. Aufgewachsen bin ich am Niederrhein. Wenn ich den Menschen denen ich bisher so begegnet bin glauben soll, so sehe ich weder typisch deutsch noch typisch türkisch aus. Wie Letten so aussehen wissen die meisten nicht. Ich wusste das lange auch nicht. Aber ich muss Euch enttäuschen. Auch typisch lettisch sehe ich nicht aus.
Andere Klischees konnte ich auch nicht so wirklich bedienen. Meine Familie ist keine typische Migrantenfamilie. Ich komme aus einem Akademiker-Haushalt mit überdurchschnittlichem Einkommen. Irgendwie passte ich nie so recht in die Kategorien der Menschen, da ich herkunftstechnisch nie klar verortbar war.
Ich wurde häufig gefragt, ob ich mich nicht fühlen würde als lebe ich „zwischen den Stühlen“. Nicht so recht wisse, wo mein Platz ist. Ich musste diese Frage immer verneinen. Traurig machte mich als Kind nur, dass es keine Tasse mit dem Aufdruck meines Namens gab, wie sie viele, viele Kinder besaßen. Nationalität ist eine Kategorie die für mich schon als kleiner Junge ziemlich uninteressant war. Sie wurde für mich über die Jahre immer unwichtiger. Aber scheinbar ist das eine Kategorie die für den Großteil der Menschen von immensem Interesse ist. Immer wieder muss ich mich rechtfertigen, dass ich diese für völlig unerheblich erachte.
Das einzig Konstante in meinem Leben ist mein Name. Alles andere ist vielen, vielen Veränderungen unterworfen. Der permanente Versuch von Außen einen Teil meiner Identität zu fixieren ist mir unangenehm. Ich werde im Alltag immer wieder in Positionen gedrängt in denen ich eine Rolle gedrängt, die Unbehagen in mir verursacht. „Du bist ja gar kein richtiger Deutscher/Türke etc.“ Was soll das denn sein? Was ist ein richtiger Mann/ richtige Frau? Was ist ein/e richtige/r Homosexueller? Richtig ist demnach jemand der Stereotypen entspricht. So macht man dem Gegenüber keine Arbeit. Man ist leicht kategorisierbar. Stereotypen vereinfachen und sind häufig auf Vergangenes bezogen. Jemand kennen zu lernen ist vielleicht zu anstrengend? Aber nur so lernt man doch jemanden kennen, oder? Mich in Einzelteile zu zerlegen die in Schubladen passen fühlt sich an, als würde man mich auseinanderschneiden in leckere Stücke: Haxe, Rippen, Schnitzel, Speck. Keine Sorge. Das ist kein Aufruf zum Vegetarismus. Aber gegen Katalogisierungen.

Ein Text von Can Gezer

Ich bin ein Rassist.

In Gewalt in Kommunikation on September 24, 2012 at 12:44 pm

english version below …
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Die aktuelle Debatte um das Buch des Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) „Neukölln ist überall“, fördert erneut einen Gedankenfehler zu Tage, dem offenbar viele Bürger aufsitzen. Die einen sind empört und bezeichnen das Buch als rassistisch, woraufhin aus einer anderen Ecke laut die immer wieder selbe Polemik erklingt: „Wann immer mal einer die Wahrheit ausspricht, schwingen die Gutmenschen gleich wieder die Rassistenkeule.“ und treffen damit gleich drei zweifelhafte Aussagen in einem einzigen Satz.

1. Die Wahrheit: Wahrheit ist ein Wort, über das sich die Gelehrten seit Jahrtausenden streiten. Wahrheit, das wissen die Akademiker, die Dichter und die Philosophen, ist nicht auszumachen. Das was Otto Normal die Wahrheit nennt, ist in der Regel seine eigene Empirie oder entspricht seinen persönlichen Vorurteilen. Sie ist etwas sehr persönliches und jeder hat seine eigene. Der Anspruch auf Wahrheit ist per se fundamentalistisch. Da wir uns einig sein müssen, dass meine eigenen Erfahrungen die eines anderen nicht ändern können. Es gibt selbstverständlich Menschen, die sich eingeschüchtert fühlen durch kriminelle Immigranten, aber diese persönlich erlebte Erfahrung als eine Wahrheit hinzustellen wäre vermessen und ginge von einem höchst egozentriertem Weltbild aus. Gerade in Hinsicht auf eine pauschal verurteilte Gruppe von über einer Millionen Menschen kann ein sogenannter Wahrheitsanspruch niemals geltend gemacht werden. Wer also in einer so kontroversen und komplexen Debatte wie der Immigrationsdebatte das Wort „Wahrheit“ benutzt, dessen Argument kann schon an dieser Stelle nicht mehr weiterführend in der Sache dienen. Auf Grundlage einer Wahrheit würde man im Namen der Menschheit niemals zu einer Einigung finden. Nichts anderes als eine Einigung kann aber das Ziel sein, da wir die Gewalt verbannen wollen aus unseren Leben. Wer mit dem Anspruch auf Wahrheit gegen den Wahrheitsanspruch eines anderen Fundamentalisten vorgeht, landet somit schnell in einem Glaubenskrieg, der keinem der Beteiligten und schon gar nicht der Gesellschaft weiterhelfen kann. Was wir suchen ist der kleinste gemeinsame Nenner, niemals die Wahrheit.

2. Der Gutmensch: „Im Januar 2012 erhielt das Wort als Unwort des Jahres 2011 in Deutschland den 2. Platz. In der Begründung gab die Jury an, mit dem Wort werde „insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des ‚guten Menschen‘ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren“ und kritisierte die aus ihrer Sicht 2011 einflussreich gewordene Funktion des Wortes als „Kampfbegriff gegen Andersdenkende“.“ (Quelle Wikipedia)
Dieses Wort stellt Gewalt dar. Es soll den Diskussionsgegner verletzen und seine Argumentation schmähen, da diese von einem als naiv/verklärt verurteilten Weltbild ausgeht. Ein Diskutierender der einen anderen Diskussionsgegner als solchen bezeichnet, eröffnet damit eine Kategorie, die ihn verletzen und angreifen soll. Und das ist dann auch schon das, wo wir nun als nächstes hinkommen: Das ist Rassismus.

3. Die Rassistenkeule:

Rassismus ist nicht – wie fälschlich immer wieder behauptet wird die reine Einteilung der Menschen in Rassen und der Glaube an die Rassentheorien. Rassismus ist so viel mehr. Seine Beginne liegen in der Rassentheorie, im Sklavenhandel und der Inquisition, doch inzwischen umfasst die Definition für Rassismus jegliches Kategorisieren und Klassifizieren von Menschen. Jemanden als Gutmenschen zu verurteilen, ist demnach schon Rassismus. Ich habe Ressentiments gegen einen anderen Menschen aufgrund seiner von mir behaupteten Einstellungen. (albert Memmi, Soziologe über Rassismus: „„Tatsächlich stützt sich die rassistische Anklage bald auf einen biologischen und bald auf einen kulturellen Unterschied. Einmal geht sie von der Biologie, dann wieder von der Kultur aus, um daran anschließend allgemeine Rückschlüsse auf die Gesamtheit der Persönlichkeit, des Lebens und der Gruppe des Beschuldigten zu ziehen. Manchmal ist das biologische Merkmal nur undeutlich ausgeprägt, oder es fehlt ganz. Kurz, wir stehen einem Mechanismus gegenüber, der unendlich mannigfaltiger, komplexer und unglücklicherweise auch stärker verbreitet ist, als der Begriff Rassismus im engen Wortsinne vermuten ließe.(…)“

Rassismus ist vor allem deswegen eine so große Bedrohung, weil sie allgegenwärtig ist und weil so viele vor ihr die Augen verschließen. Rassismus ist leider tatsächlich etwas sehr natürliches und ich behaupte: Jeder Mensch ist ein Rassist. Resultierend aus der Angst vor dem Fremden. Die Angst vor dem Fremden ist in jedem von uns. Darum funktioniert die Dunkelheit so gut in Geisterbahnen und Gruselfilmen, darum versetzen uns Thriller in Aufsehen, deshalb sagen einige Deutsche, dass es sie gruselt, den Muezzin vom Dach der Moschee rufen zu hören. Weil man nicht versteht, was der Fremde da ruft. Die Frau fürchtet sich vor Schritten eines Unbekannten im U-bahnschacht und unsere Kinder haben Angst vor dem Weihnachtsmann. Wir fürchten uns vor dem Fremden und können diese Furcht nur besiegen, indem wir sie mit positiven Erfahrungen überschreiben. Dazu müssen wir aber bereit sein, auf das Fremde zuzugehen. Bequemer ist es, sich gegen alles zu verschließen, das man nicht versteht, aber genau auf diesem Boden wächst das gegenseitige Misstrauen und vermehrt sich die Gewalt.

Auch ich treffe hin und wieder eine rassistische Aussage. Ich kann mich davon gar nicht frei machen. Im Laufe der Buschkowskydebatte habe ich auf facebook viele Menschen als bildungsfern bezeichnet. Auch das ist Rassismus und ich bin nicht stolz darauf. Der Rassismus ist da. Er schwebt immer über und in unseren Köpfen herum. Wir können ihn nicht besiegen, indem wir ihn verleugnen. Im Kleinen gibt es gegen das Übel oft keine bessere Lösung als das Abstrafen durch Ignoranz, aber in einem größeren Rahmen müssen wir uns die Mühe machen, die Problematik beim Namen zu nennen. Wenn ein Bankräuber eine Bank überfallen will und der Angestellt tut so, als würde er ihn nicht hören, wird der Räuber im Zweifelsfalle einige Menschen erschießen. Man kann tatsächliche Bedrohungen nicht ignorieren. Ja, ich werfe Heinz Buschkowsky vor, dass er sich in seinem Buch rassistisch äußert – und das tut er unzweifelhaft mit Passagen wie der Folgenden:

„Mit den Afrikanern ist noch mehr Brutalität, Drogen- und Alkoholmissbrauch eingezogen. Türkische und arabische Männer sitzen in den Cafés. Afrikanische Männer sitzen zuhause, sehen fern, spielen, telefonieren und trinken. Afrikaner lassen sich noch schwerer in die Karten schauen als die anderen Ethnien.“

Diese Aussage ist sogar nach der allgemeinen Auffassung Rassismus und es darf nicht sein, dass man denjenigen versucht den Mund zu verbieten, die darauf aufmerksam machen. Nein, wir wollen alle keine Rassisten sein und nein, kein denkender Mensch kann davon überzeugt sein, dass seine „Wahrheit“ mehr als die eines anderen wiegt, aber dennoch ist es auch nur allzu menschlich, der Eitelkeit zu verfallen, sich rassistisch zu gebaren. Es passiert täglich und es passiert jedem von uns. Es wäre an der Zeit, diese Tatsache anzuerkennen und sich somit auf einen gleichberechtigten Dialog einzustellen. Eine Debatte kann nicht geführt werden, wenn an ihrem untersten Rand die Menschheit sich aufhält mit dem ewigen Zerlegen des Wortes „Rassismus“. Erkennen wir ihn an, nehmen wir ihn als gegeben und versuchen wir, unsere Ängste zu besiegen. Es gibt keine Wahrheit, aber es gibt den Rassismus.

ein Artikel von Gutmensch und Rassistin Meike Büttner

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I am racist 

The actual debate about the new book of a Berlin Major Heinz Buschkowsky (SPD, Major of district Neukölln/Belrin) „Neukölln is everywhere“ again banks an old error in reasoning to the surface which obviously many people believe in.
Some are outraged and claim the book being racist. Others bring out the old fashioned sentence of: „Whenever someone in Germany speaks out the truth, the do-gooders swing the racist-cudgel“ which just shows up three doubtful ideas in just one sentence.

1st: The truth:

truth is a word the erudite are arguing on for a thousands of years. Truth, this is what the academics, authors, and philosophers know, is nothing to make up. What average Joe calls the truth, mainly arises from his own empiricism or has its source in his or hers personal prejudices. Truth is something personal  and claiming the truth is per se fundamentalistic. Because of the fact, that my personal experiences never can change those of another. There are people who feel daunted by criminal immigrants for certain, but characterizing those personal lived experiences as a certain truth, comes from a highly egocentric world view. Straight with regard to an across-the-board condemned group of millions of humans, a truth claim can never be asserted. An argument using the term of „truth“ can never be taken in a complex debate like the integration-debate. This argument just disqualifies itself. On the base of some truth you could never find consensus in the name of people. People never agree. But nothing like an agreement should bet his goal to all of our arguing, because we want to ban the violence out of our life. If one person with his/her own truth claim fights against someone with another truth claim, just lands into a religious war that won’t help any of the participants or even society. What we are searching for is the least common denominator, never the truth.

2. The Do-gooder:

In January 2012 the word “Gutmensch” was voted second place for the badword of the year 2011 in Germany. The jury justified this rating by explaining that this word would mainly be used in internet forums to determinate the ideal of the good human being in a derisive way. People claimed as “Gutmenschen” or “do-gooders” are condemned as greenly or unworldly. The jury criticized this word as a fighting word against dissidents.
Calling somebody a do-gooder often tries to hurt this person. And it leads us to the next point because categorizing people is: Racism.

3. The racistcudgel:

Racism is not – as many people think – classifying people into races or the belief in race theories. Racism is so much more. Its beginning lies in those race theories, in slave trade and the inquisition, but meanwhile the definition of racism comprises any categorizing or classifying of a human being. Claiming someone a do-gooder is therefore even racism. I have resentments against someone other because of all the things I assume someone just from his attitude, appearance or other details.

Socialist Albert Memmi about Racism:

“(…) In fact racist accusation bases on biological or cultural differences. Sometimes they come out from biology, other times from culture, just to draw conclusion to someones personality, his life and the whole group of people like this person. Sometimes the biological sign is completely lost in racistic cases. Short: We are facing a mechanism, much more diversified  which sadly even is brighter spreaded than the term of racist is. (…)

First of all, Racism is such a big danger because it is so much rampant today while so many people close their eyes to that. Racism in fact is something very natural and I assert: Every human is a racist! Resulting from his fear of the foreign. This fear is in everyone of us. That’s why the dark works so good in the haunted house and the horror movies, this is why thrillers alert us. It is the reason why some Germans might say, they’re scared from the Muezzin crying from the roof. Because you don’t understand what the stranger is jelling. Women are scared by steps in a parking house, Santa Clause give kids the creep, …

We are scared by the foreign and we just can fight this fear by affirming our experiences in a positive way. But that for we need to confront with those fears and take a step forward to those who scare us. Closing up against everyone is much more convenient, but this is exactly the fertile soil for mutual misunderstanding and it will accrete the violence.

I myself sometimes make a racist statement. I can’t absolve myself from that mistake. For example in this Buschkowsky-debate I named people “bildungsfern”, which is a political german term for people who raise in an environment without suitable education. Even this is racism and I am not proud of it. Racism is here. It’s everywhere. It is always floating above, around and inside our heads. We can’t defeat it, if we deny it. If a bank robber threatens an employee and this employee is doing like he wouldn’t hear the robber, this criminal may shoot some of the customers. You can’t ignore real danger. Yes, I accuse that Heinz Buschkowsky in his book remarks racist statements. He does it without a doubt in sentences like:

“With the Africans, much more brutality, drugs- and alcohol-abuse has moved in. Turkish and Arabic men are sitting at home, watching tv, are phoning and drinking. The Africans are even harder to look through then the other ethnics.” 

This is racism. Even following the common definition of racism and we need to claim that. No, nobody of us wants to be racist, and no, no human being can certainly be confident with the idea, that his “truth” weights more than the someone other’s, but nevertheless it is very human addicting to the vanity acting racist. It is happening everyday and to everyone of us. It is time to accept this fact and to agree to an equal dialogue. This debate will never begin if everybody is struggling about words like racism in the very beginning of this dialogue. Stop talking the topic to death with this fight of definitions. Don’t be in a snit if someone claims the “R”-word. Let’s accept the presence of this violence and try fighting our fears. Truth doesn’t exist, but racism does.

Article by Racist and Do-gooder Meike Büttner

 

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