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Die „Verantwortung der Deutschen“

In Meinung, Staatsgewalt on November 26, 2012 at 11:22 am

Parabellartige Aufklärung eines Denkfehlers

Man stelle sich mal vor, ein Mann hätte eine Frau über Jahre eingesperrt und auf grausame Weise misshandelt. Als die Frau nach einer viel zu langen Zeit endlich befreit werden kann, wird der Vergewaltiger zu ihrem Schutz befohlen. Fortan soll es seine Aufgabe sein, für das Wohl der Dame zu sorgen, Schließlich war er es ja, der ihr diese Grausamkeiten angetan hat, darum erscheint es nur logisch, dass es nun er ist, der Verantwortung dafür übernimmt, dass diese Frau wieder zu einem normalen Leben finden kann (???).

Oder man stelle sich einen beliebigen anderen Gewaltverbrecher vor. Dieser hat zum Beispiel eine Familie gefoltert oder vielleicht Menschen einer bestimmten Ethnie in einer grauenerregenden Mordserie getötet. Sind Sie der Meinung, dieser Mensch sollte sich fortan verantwortlich zeigen für das Glück dieser Menschen? Würden wir jemals auf die Idee kommen, den Täter als Fürsorger für die Opfer abzubestellen? Vermutlich nicht. Die Ausführung dieser absurden Idee würde eine unerträgliche Diskriminierung und erneute Folter der Opfer bedeuten. Diese müssten sich weiterhin Tag für Tag mit dem Täter auseinandersetzen und könnten niemals zur Ruhe finden.

Wenn dies allerdings so einleuchtend ist, so will mir einfach nicht in den Kopf, warum dann immer wieder von der „deutschen Verantwortung“ gesprochen wird, die uns angeblich dazu zu verpflichtet, den Staat Israel für alle Zeiten zu unterstützen. Diese Fürsorge hat einen widerlichen Beigeschmack und klingt wie eine Erklärung unter Spielplatzkindern, wenn sie herangezogen wird, um damit eine solche Parteilichkeit zu rechtfertigen. 

Folgen Sie dem link und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung.

Meinung von Meike Büttner

Die Design Diktatur

In Gewalt in Kommunikation, Staatsgewalt on November 26, 2012 at 10:11 am

Was ist das Internet? Eine Frage die jeder irgendwie beantworten kann. Ein unendlicher freier Raum. Mein Fenster zur Welt. Grenzüberschreitend und global. Ein Mechanismus in dem alles und jede/r Platz findet. Wir schaffen es durch unsere Inhalte und Diskussionen. Es bedarf keiner zentralen Kontrolle oder Autorität, sondern einfach nur der Menschen, die alle verbunden sind.
Das Internet wird häufig mit Freiheit gleichgesetzt und hat einen Status der Religion bei Webaktivisten. Die virtuelle Realität ist die bessere Realität, da sie uns mit unendlichen Möglichkeiten ausstattet.
In diesen Tagen, zwischen dem 20.11 und 29.11, trifft sich die International Telecommunications Union (ITU) in Dubai. Dies ist der Verband innerhalb der Vereinten Nationen, bestehend aus 193 Mitgliedsstaaten, der sich mit Informations- & Telekommunikationsrichtlinien auseinandersetzt. Das letzte Abkommen das innerhalb dieses Verbandes geschlossen wurde liegt 25 Jahre zurück. Die Regulierung des Internet war damals nicht vorgesehen, da es dieses schlichtweg nicht gab. Nun soll das passieren und beschlossen werden.  Eine Internet Governance die global agiert und nicht länger einzelnen Staaten die Gesetzeshoheit gibt, soll beschlossen werden. Alle Staaten sollen die gleichen Zugangsmöglichkeiten haben, liest es sich auf der Website der ITU.
Dies ruft Proteste hervor. Doch weniger von Webaktivisten als von den USA. Diese wollen die Freiheit für die User bewahren. Warum in dieses wunderbar funktionierende System eingreifen?
Außerdem sei dies gar nicht praktikabel, so ein Sprecher des US-Governements, der beanstandet, dass das Internet nicht mit nationalen Grenzen kompatibel sei, und internationale Richtlinien einfach nicht zu managen sein ( http://theglobaljournal.net/article/view/873/ ).
Verantwortlich für das große Interesse, dass die USA das Abkommen blockieren hat die WCIT Ad Hoc Working Group,’ eine Wirtschafts-Koalition bestehend aus Unternehmen wie  AT&T, Cisco, Comcast, Google, Intel, Microsoft, News Corporation, Oracle, Telefonica, Time Warner Cable, Verisign und Verizon, die Ihren Einfluss geltend gemacht haben um das Gouvernement von ihrer Position durch Lobby-Arbeit zu überzeugen.
Die USA sind zwar nicht gegen den Anschluss weniger entwickelter Länder an den internationalen Standard. Sind aber der Meinung, dass dieses „Wachstumspotential“ privatwirtschaftlich weitaus besser erschlossen werden kann.
Des Weiteren wird die Meinung vertreten, dass ein Top-Down Ansatz entgegen der eigentlichen Struktur des Internets läuft und somit unrealistisch sei. Diese und weitere Argumente finden sich auch im Stanford Technology Law Review. Verwunderlich nur, dass der Artikel von Patrick Ryan verfasst wurde, der neben seiner Wissenschaftstätigkeit auch auf der Gehaltsliste von Google steht.  Er geht so weit das Vorhaben der ITU als Titanic-Moment des Internets zu bezeichnen ( http://stlr.stanford.edu/2012/07/the-itu-and-the-internets-titanic-moment/ )
Warum aber dieser EInsatz der Telekommunikationsunternehmen? Sind sie wirklich die weißen Ritter, die sich gegen Willkür und Eingriffe für unseren herrlichen freien Raum einsetzen? Dazu müssen wir zur Ausgangsfrage zurück: Was ist das Internet? Metaphorisch ist dies ein riesiger virtueller Raum. Aber was ist das Internet physisch? Es sind riesige Server-Gebäude in denen Daten ein- und ausgehen, sowie gespeichert werden. Um eine Vorstellung davon zu bekommen: Apples Daten-Center in North-Carolina  um seine Internetdienst Cloud eigenhändig zu managen, umfasst ein 180 Hektar großes Stück Land, das vollständig umzäunt ist, und ein 153.924 Quadratmeter großes Gebäude beherrbergt, das nichts anderes als Server beinhaltet ( http://www.datacenterknowledge.com/the-apple-data-center-faq/ ). Und Apple ist ein vergleichsweise kleiner Player auf diesem Markt.
Verbunden sind alle diese Server global über Unterwasserkabel wie die Submarine Cable Map veranschaulicht ( http://submarinecablemap.com/ ). Diese sind alle in der Hand von privaten Telekommunikationsunternehmen. Der spanische Konzern Telefonica ( in Deutschland Inhaber von O2 und Alice) ist im Besitz fast aller Unterseeleitungen nach Südamerika. Um zu verstehen was dies heißt müssen wir den Verlauf eines Datenpakets im Internet verstehen. Wenn ein Internet-User in Lima, Peru eine lokale Website aufruft, so ist der Verlauf des Datenpakets, das mit Eingabe der Website und Enter drücken verbunden ist folgender: Von Lima aus wird das Datenpaket an die Ostküste Südamerikas versandt, von wo aus es über den zentralen Telefonica Server in Madrid läuft. Dann geht es weiter zur Ostküste der USA, weiter nach Kaliforniern, an der Westküste, um von dort wieder nach Lima gesendet zu werden. Theoretisch hat also Telefonica die Macht, die Nachrichten in Südamerika zu kontrollieren. Dafür gibt es meines Wissens aber keinen Beweis. Um aber zu veranschaulichen, dass dies keine realitätsferne Unterstellung ist, möchte ich hier das Projekt Newstweek ( http://newstweek.com/ ) von Julien Oliver und Danil Vasiliev vorstellen. Die beiden sind Critical Engeneeriner ( http://criticalengineering.org/ ). Newstweek ist eine unscheinbare kleine Box die in jede Steckdose gesteckt werden kann und dann das gesamte umliegende Netwerk vereinnahmt ohne, dass Internet-User dies bemerken. So können sie in einem Starbucks sitzen, wo durch die Newstweek Box alle Nachrichten manipuliert werden. Die Manipulation ist für den User nicht sichtbar, da das Gerät nicht die Websiten kopiert, sondern nur die Inhalte verändert. Die beiden in Berlin lebenden Entwickler wollen so auf das Top-Down Distributionsmodell aufmerksam machen, das Nachrichten in großem Ausmaß der politischen Meinungsmache und unternehmerischem Interesse dient.
Oder die Transparency Grenade von Julien Oliver. Eine künstliche Granate, die folgenden Effekt hat: Zieht man den Verschluss um die Granate zu entsichern, werden automatisch alle Daten der umliegenden Computer auf den Server des voreingestellten Inhabers gespielt ( http://transparencygrenade.com/ ). Die Frage, die sich hier auftut ist einfach: wenn 2 Programmierer so etwas in ihrem kleinen Labor ohne große finanzielle Ressourcen entwickeln können, was kann dann ein multinationaler Konzern?
Wir wissen alle, dass beispielsweise China das Internet zensiert. Bestimmte Websites sind hier nicht nutzbar. Dies ist eine sehr offensichtliche Zensur, die allen klar ist. Seit einiger Zeit ist dies aber viel subtiler möglich. DPI (Deep Packet Inspection) ist die Lösung. So kann z.B. ein bestimmtes You-Tube Video von einem Staat oder Unternehmen blockiert werden, ohne das You-Tube im gesamten blockiert wird. So hat Russland ein Video in bestimmten Regionen des Landes blockieren lassen, das die Unschuld von Muslimen an einem Anschlag beweist. Russland Interesse aber hält es für richtiger die Bürger in diesen instabilen Regionen im Glauben zu lassen, dass islamische Extremisten dafür verantwortlich seien ( http://www.wired.com/dangerroom/2012/11/russia-surveillance/all/ ). Wer kann es also merken? Die Manipulation von Massenmedien die Fernsehen oder Zeitung durch Interessengruppen ist vielen Menschen in der westlichen Welt durchaus bekannt. Das dies auch im Internet stattfindet, leider nicht.
DPI ermöglicht es Netzwerkbetreibern (dieser Begriff ist hier relativ: es kann ein privates Unternehmen oder ein ganzer Staat sein) erlaubt es den gesamten Traffic einzelner Personen auszuspionieren. Emails & Webpages können nicht nur gelesen, sondern auch modifiziert werden. Dies ist eine Revolution auf der Ebene der Spionage & Manipulation. Bislang war es nur möglich Traffic zu kopieren und zu speichern. Nicht aber zu modifzieren. Erst war es nur möglich den Empfänger eines Briefes zu bestimmen. Dann konnte man ihn auch aufmachen und lesen. Jetzt kann man den ganzen Brief neu schreiben. Eine Vorstellung die wir aus der analogen Welt so nicht kannten.
DPI ermöglicht dies nicht nur auf offiziellen Websites, sondern auch in sozialen Netzwerken. So können einzelne Posts von Usern einfach verschwinden.
Einer der Anbieter der Technologie ist das Unternehmen RGRCom, die laut eigenen Angaben Ihren Kunden einen zuverlässigen Service anbieten, nicht nur Websiten, sondern auch peer-to-peer Protokolle, Skype Protokolle und Torrent-Analysen auch für den mobilen Bereich anbieten.
Größter Anbieter auf dem globalen Markt für DPI-Lösungen ist übrigens Cisco. Eines der Unternehmen, das auch ein Gros an Leitungen und Server-Kapazitäten für das Internet besitzt. Kunden für DPI-Technologien sind offiziell Staaten wie Russland, Iran und Australien. Inoffiziell England und Amerika.
Was ist also das Internet? Wenn wir die gängige Metapher des Datenhighways nutzen, so sagt das viel über unser Verständnis darüber aus. Wir bewegen uns auf einer Strasse. In meinem Verständnis sind Strassen öffentliche Räume in denen meine Bewegungen durch nationale Gesetze geschützt sind. Das Internet ist aber in privatwirtschaftlicher Hand und ist dann kein öffentlicher Raum.
Auf der einen Seite nutzen wir es um Artikel und Blogs zu komplexen Themen zu lesen, darüber zu diskutieren und versuchen Debatten in ihrer ganzen Komplexität zu erfassen. Auf der anderen Seite tun wir das an einem Medium, das wir nicht völlig verstehen. Hier tut sich eine riskante Doppelbödigkeit auf.
Nicht nur das Internet, sondern viele andere Dinge in unserem Alltag sind technisiert, ohne das wir die Funktionsweisen verstehen, lediglich die Effekte. Letzte Woche war ich bei einem Freund zu Besuch, dessen 8-jähriger Sohn eine Kassette hören wollte. Das Kind wusste nicht wie es mit der Kassette umzugehen hatte. Das Zurückspulen, ein mechanischer Vorgang wurde von dem Kind mit einem Defekt verwechselt, weil es einfach so lange dauert. Mein Freund und ich mussten darüber schmunzeln, dass ein Kind, dass in einer digitalen Welt groß wird, dies nicht kannte. Aber was ist mit uns selbst? Wir verlassen uns völlig auf unsere Smartphones ohne sie zu verstehen. Wir bedienen Oberflächen von Geräten deren Mechanismus völlig versteckt ist. Würden wir ein IPhone aufmachen, so kann eigentlich niemand erklären wofür die einzelnen Bestandteile dienen. Die Funktionsweisen sind uns völlig schleierhaft. Dies ist das Ende des selbstbeschreibenden Objekts. Aber es geht noch weiter. Wenn ich das Telefon selber aufschraube, verliere ich meine Garantie. Auch bei Autos ist dies inzwischen so. Früher konnte ich eine Zündkerze noch selbstständig wechseln. Inzwischen ist dies mit Garantieverlust verbunden.
Das heißt, dass Design eine politische Komponente besitzt. Wenn ich nur noch Oberflächen zur Verfügung stelle, fälle ich Urteile über den Nutzer. Restriktionen und Bewegungseinschränkungen machen es Usern auf der eine Seite leicht, auf der anderen Seite ignorieren sie ihn aber auch völlig. Unsere gesamte technische Infrastruktur ist nicht zu sehen und noch weniger zu verstehen, obwohl wir völlig von ihr abhängig sind.
Unsere Leben, und somit viele Gefühle finden durch diese technischen Geräte statt. Überlegt nur wie schrecklich es wäre unser IPhone zu verlieren. Ich spreche jetzt für mich, aber ich glaube es geht vielen von Euch so. All die Photos, Mails, Musik, etc. Wir haben emotionale Bindungen aufgrund der Inhalte. Einiges davon machen wir öffentlich, anderes halten wir für intim, wie persönliche Mails, Photos, notierte Ideen oder Bankverbindungen. Aber wie ihr ja oben lesen konntet ist dies gar nicht so intim, sondern in unternehmerischer Hand. Wir könnten jetzt lange über die unmoralischen Vorgehensweisen von Unternehmen nachdenken. Mir wäre es lieber, wenn wir über uns selbst nachdenken. Wir haben uns in eine selbstverschuldete Unmündigkeit begeben die wir erstmal realisieren müssen.

„The love letter you´ve wrote five years ago to a person you no longer like is on a business man´s hard disk“ Julien Oliver https://vimeo.com/channels/eyeo2012/52962142

Ein Text von Can Gezer

Lass Dich nicht entmündigen !

In Netzschau, Staatsgewalt on November 26, 2012 at 9:15 am

Gustl Mollath wurde geisteskrank erklärt, weil er über Informationen verfügte, die der HypoVereinsbank großen Schaden hätte zufügen können und ist nun seit 5 Jahren in Gewahrsam. Mit zahlreichen Hartz IV- Empfängern, die sich gegen Sanktionierungen auflehnten und anderen wurde ähnlich verfahren. Tatsächlich ist es nahezu jedem Menschen möglich (Ihrem Nachbarn, Bekannten, „Freund“, etc.) sie für psychisch krank zu erklären und die Betreuung für Ihre Person zu beantragen.

Das Bündnis PatVerfü, unter der Schirmherrschaft von Nina Hagen hat darum eine Patientenverfügung erstellt, die sich jeder auf der Internetseite herunterladen kann. Ich trage sie inzwischen in meinem Portemonnaie mit mir. Diese Verfügung ist rechtlich einwandfrei und verbietet jedem, mir eine psychiatrische Diagnose zu erstellen. Damit entziehe ich dem Staat die Möglichkeit, mich einfach in eine Psychiatrie zu stecken.

In Netzschau on November 21, 2012 at 7:29 am

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Deine Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Deine Taten.
Achte auf Deine Taten, denn sie werden Deine Gewohnheit.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wir Dein Schicksal.
(Talmud)

Die Gemeinsamkeit der Mörder

In Gewalt in Kommunikation, Netzschau on November 20, 2012 at 11:57 am

Ein öffentliches Antwortschreiben mit allgemeiner Gültigkeit

In der letzten Zeit häufen sich in meinem Postfach emails von wildfremden Menschen, die mir zwar persönlich nichts zu sagen haben, die aber dringend der Meinung sind, dass ich einen bestimmten Artikel der Springer-Presse oder ähnlichem lesen soll, um zu verstehen, dass ich mit meiner Arbeit gegen Rassismus im Unrecht bin. Für links der Springer-Presse habe ich inzwischen eine automatische Löschfunktion eingestellt. Jedoch stammen nicht alle links aus diesen Quellen, sodass mich hin und wieder die ein oder andere Zuschrift erreicht. Die links, die man mir zuschickt, beschäftigen sich mit den immer selben Themen. Es geht um türkische Ehrenmorde, arabische Zwangsverheiratungen, Morde aus Romakreisen, etc.

Ich habe mir darum überlegt, diesen Text zu schreiben, um diese Menschen einfach öffentlich auf Ihren Kategorienfehler hinzuweisen. Ich werde niemals auf derlei mails antworten, aber in Zukunft kann dieser Beitrag als meine Antwort auf derlei Schreiben geltend gemacht werden.

Es gibt all diese schrecklichen Dinge tatsächlich. Selbstverständlich gibt es diese grauenhaften Taten und da ich die Tagespresse verfolge, bin ich über derlei Vorfälle informiert. Warum diese Dinge als Argumente gegen Rassismus gelten sollen, ist mir schleierhaft. Dass Zusenden solcher einseitigen Meldungen erfüllt erneut den Tatbestand des Rassismus. Offenbar fällt es den Übersendern dieser Inhalte schwer, zu abstrahieren. Die Ehrenmorde weniger Menschen soll dafür herhalten, eine Abneigung gegen eine ganze Ethnie zu rechtfertigen. Ich könnte dem die tausend deutschen Frauen entgegensetzen, die Jahr für Jahr wegen Misshandlung ihrer eigenen deutschen Kinder im Gefängnis landen oder die Gewaltverbrechen deutscher Männer, die ebenso zahlreich sind wie die Morde anderer Bevölkerungsgruppen. Die einseitige Darstellung derer, die mir derlei links zuschicken spricht Bände über die eigene Ignoranz und die Vorurteile dieser Menschen.

Tatsächlich lässt sich über Mörder das folgende festhalten:

Die Philosophin und Evolutionspsychologin Helena Cronin konnte in ihrem Buch The Ant and the Peacock schon 1991 nachweisen, dass Mörder in Bezug auf Alter und Geschlecht in allen Ländern der Welt Parallelen aufweisen. Die meisten Mörder auf der Welt sind männlich und in einem jungen Alter. Ebenfalls gemeinsam ist ihnen die Herkunft aus einer Minderheit. Der Psychiater James Gilligan, Leiter des Zentrums für die Untersuchung von Gewalt an der Harvard Medical Shool, der Zeit seines Lebens mit Gewaltverbrechern in Psychiatrien gearbeitet hat, kann das wie folgt begründen:

„Gewalttaten bedeuten den Versuch, ein Gefühl der Erniedrigung abzuwehren und zu tilgen – ein Gefühl das überwiegend schmerzhaft und unerträglich werden kann – und es durch sein Gegenteil zu ersetzen, durch ein Gefühl des Stolzes.“ In seinen Gesprächen mit den Männern, die Gewalttaten begangen hatten, stellte er immer wieder fest, dass es wahre oder vermeintliche Verletzungen des Stolzes waren, die diese Taten auslösten – ein Verhalten anderer, das für die Täter Erniedrigung und Schande bedeutet. (Violence – our deadly epidemic and ist causes, James Gilligan, 1996)

Somit ist im Grunde jeder Mord ein sogenannter Ehrenmord, der begangen wird in dem Versuch, seine eigene Ehre durch diese Tat wieder herzustellen. Wer gerne einen Zusammenhang herstellen möchte zwischen typischen Merkmalen von Mördern kann nur da landen. Mord ist meist männlich und resultiert aus verletztem Stolz. Und während für den einen der Sex seiner Tochter mit einem Mann einer anderen Kultur die ultimative Erniedrigung seiner Person bedeutet, ist es für den anderen die Tatsache, dass seine Frau ihn verlassen will. Wie leicht ein Stolz sich verletzen lässt, ist eine individuelle Frage. Fakt bleibt: Mörder kommen in der Regel aus einem benachteiligten Milieu und sind somit per se der Erniedrigung durch andere Klassen ausgesetzt. Die Statuskonkurrenz ist mit steigender Ungleichheit immer größer geworden und stellt eine tatsächliche Bedrohung für uns dar, da der Stolz sovieler verletzt wird, was zu einem Anstieg der Mordrate führt. Die Gesundheitsforscher Richard Wilkinson und Professor Kate Pickett haben in ihrem 2011 erschienen Buch „The Spirit Level: Why Greater Equality Makes Societies Stronger“ anhand von 400 wissenschaftlichen Ergebnissen und den Statistiken von WHO, OECD, der Weltbank und den vereinten Nationen nachgewiesen, dass die Quote der Gewaltverbrechen mit dem Grad der Einkommensgleichheit in einem Staat steigt und fällt. Somit lässt sich anhand von Statistiken und Untersuchungen von Gewalttaten auf der ganzen Welt immer nur diese eine Tatsache verdeutlichen. Die Gewalt hängt nicht zusammen mit der Kultur oder Religion, zu welcher ein Individuum sich zählt, durchaus aber mit der Ungerechtigkeit des Staatssystems, in dem er lebt.

Die wahre Gemeinsamkeit von Gewalttaten lautet also: Ungleichheit. Und diese wird durch rassistisch geführte Diskussionen nur weiter und weiter verstärkt. Menschen, die sich ausgegrenzt fühlen, sind eher zu morden bereit als andere. Darum kann nur jedem, der sich vor Gewaltverbrechen fürchtet empfohlen werden, sich für mehr Gleichheit einzusetzen. Wer andere abschieben will, der begeht damit Gewalt und verstärkt die Problematik.

In diesem Sinne:

Herzlichen Dank für Ihre einseitigen mails. Sie sind haltlos.
Mit statistischen Grüßen,

Meike Büttner

Warum Evolution Rassismus einschließt und wieso dann ausgerechnet der gemeine Neonazi von seinem Ideal weiter entfernt ist als Otto Normal

In Netzschau on November 5, 2012 at 5:11 am

Wer diese Überschrift bewältigt hat verfügt über eine gewisse Lesekompetenz. Sehr gut. Eventuell haben Sie damit soeben eine Daseinsberechtigung erlangt.

Was nicht passt, wird passend gemacht. Da kennt die Evolution keine Gnade. Wann immer sich die Lebensbedingungen einer Art ändern, muss die Art sich diesen Bedingungen entweder anpassen oder sie muss aussterben. Das gilt für zahlreiche Tiere und Pflanzen seit Anbeginn der Erde und das galt auch einmal für den Menschen. Nicht, dass der heutige Homo Sapiens tatsächlich das Ende aller Weisheit wäre – auch wenn er das von sich selbst immer wieder glauben möchte. Auch er ist selbstverständlich weiterhin Teil dieser Abläufe, allerdings haben sich die Bedingungen für ihn, durch z.B. Medizin und Technologie, ein wenig verschoben. Besucht man einen fünfhundertjährigen Friedhof, so kann man folgende Entwicklung deutlich erkennen: Unter den ältesten Gräbern finden sich zahlreiche Kindergräber. Vor fünfhundert Jahren starben also ganz offensichtlich noch sehr viel mehr Menschen vor Erreichen der Volljährigkeit als das heute noch der Fall ist. Berücksichtigt man, dass sich vor fünfhundert Jahren nur der Klerus und der Adel ein solches Begräbnis leisten konnten, kommt man auf eine enorme Dunkelziffer.

Damals starben diese Kinder, weil sie nicht überlebensfähig waren. Ihr Immunsystem war den damaligen Verhältnissen nicht optimal angepasst und die Evolution „entschied“, dass diese kleinen Menschen niemals die Zeugungsfähigkeit erlangen sollten. Damit stellte die Evolution quasi sicher, dass kein“ fehlerhaftes Material“ weitergegeben werden sollte. Die Evolution kennt in derlei Fragen keine Milde. Die Evolution ist ein ganz und gar rassistisches System, dass Lebewesen einteilt in „Funktionsfähig“ oder „Abfall“. Heute helfen Impfungen, OPs und Brutkästen da, wo früher nur der Tod bereitstand. Der Mensch hat sich somit einen „Vorteil“ verschafft, indem er nun persönlich darüber entscheidet, welche Leben „lebenswert“ ist. Dass er die Evolution damit nur herausfordert, die dann ihrerseits gezwungen ist, neue Mutationen von Viren zu erschaffen, gerät in der Momentaufnahme in Vergessenheit. Die Phase, in welcher der Mensch gelernt hat, sich gegen die natürliche Auslese weitestgehend zu wehren, ist im Verlauf der Evolutionsgeschichte allerdings nicht viel länger als eine Millisekunde. Viren mutieren weiterhin und werden resistent, das Spiel ist noch lange nicht gewonnen. Die Evolution passiert langsam, aber sie nimmt sich, was ihr zusteht. Wir können ihrer Ungnade vielleicht über einige Epochen entkommen, aber den längsten Atem hat die Evolution die schon immer währt, wenn wir dem aktuellen Stand der Wissenschaft glauben können. Dass auch allgemeingültige „Tatsachen“ wie die Evolution oder beispielsweise die Existenz von Atomen ebenso anfechtbar sind wie „andere Religionen“ ist ein Thema für sich, auf das wir in diesem Blog auch noch zurückkommen werden.

Die Evolution ist ein niemals endender Optimierungsversuch. Sie ist das Streben nach Perfektion, dem sich alle Arten unterordnen. Jedes Wesen auf diesem Planeten schafft sich nach seinen Bedingungen und Veranlagungen die jeweils optimalen Lebensumstände. Für den Vogel, dessen Schnabel sich dem Wuchs einer Orchideenblüte angepasst hat bedeutet das, dass er umherfliegen und möglichst viel Nektar sammeln kann und muss und für den Menschen mit seinen Händen, dem aufrechten Gang und dem wachsenden Wissen bedeutet das, dass er anbaut und isst, bzw. einkauft und isst und eben auch, dass er forscht und sich weiterbildet. Im Gegensatz zu den meisten Tieren verfügen die Menschen über ein besseres Bewusstsein und die Fähigkeit, selbst etwas zu erschaffen. Während die meisten Tiere immer gleichen Mustern folgen und die gleichen Höhlen, Nester oder Tunnel bauen, bestimmt der Mensch selbst durch vielfältige Architektur und das Aufbringen virtueller Vermögenswerte, wie und zu welchen Zeiten er lebt. Somit verpflichtet sich der Mensch zu mehr als dem bloßen Erhalt seiner Existenz durch die Aufnahme von Nahrung und der Fortpflanzung. Der Mensch hat sehr viel mehr zu tun.

Besonders viel zu tun hat der Nazimensch. Hitler spendete 50.00 Reichsmark für die Errichtung einer Nietzsche Gedenkstätte, weil die Nationalsozialisten im Werk „Also sprach Zarathustra“ nationalsozialistische Ideologie begründet sahen. Hitler sah das Werk als einen Aufruf zur Ausrottung von „Gesindel“. Tatsächlich finden sich in dem Werk zum Beispiel Aussagen wie: „die Untauglichen sollen getötet werden, dann verschwinden sie schneller.“ Dass Nietzsche dabei allerdings von ganz anderen Menschen als den Juden spricht, ist für die Oberflächenphilosphie eines Adolf Hitlers nicht von Interesse gewesen. Im Grunde stellt das Werk eine Aufzeichnung über die Evolution des Geistes dar. Zarathustra ist ein imaginärer Weiser, der nach zehnjährigem Eremitendasein aus den Bergen zu den Menschen geht, um ihnen auf Marktplätzen seine Philosophie kundzutun. Da er vom Volk verspottet wird, zieht er weiter und sucht nach Menschen, deren Geist frei genug ist, damit er ihnen seine Lehren mitteilen kann. Diese Lehren sind nach Meinung der Nationalsozialisten erstrebenswerte Ziele für einen Nationalsozialisten.

Nietzsche beschreibt die drei Phasen der Wahrheits- und Selbstfindung mit folgendem Satz:

„Drei Verwandlungen nenne ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kamele wird, und zum Löwen das Kamel, und zum Kinde zuletzt der Löwe.“

Das Kamel steht für die Leidensfähigkeit, das Schulen in Demut und dem Ertragen, der Löwe für den autarken Geist, der erst durch die Demut zu seiner Souveränität gelangen kann. Der Löwe soll geltende Normen in Frage stellen und bekämpfen. Erst, wenn der Löwe alles zerstört hat, soll er zu Schaffen beginnen. Nicht auf alten Werten begründen seine Schöpfungen, sondern auf neuen und eigenen Philosophien. Mit der Naivität eines Kindes soll er nach neuen und eigenen Werten etwas schaffen. Das große Ziel Zarathustras Lehre ist der Übermensch. Der Übermensch ist eine Utopie vom Menschen, der alle Krankheiten und Abhängigkeiten überwunden hat. Die Nationalsozialisten sahen in dem Begriff ihre Theorie vom Arier bekräftigt, der dieses Ideal nach Ansichten der Nazis allerdings per Geburt erhalten haben soll. Hitler ist nicht als großer Philosoph oder Leser bekannt. Hauptsächlich tragen die zweifelhaften Verbindungen zu Nietzsches Schwester und Mutter zu den falschen Einschätzungen bei, die Hitler Nietzsches Werk beimisst. Gelesen hat er es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, da das Buch von einer Entwicklung ausgeht und nicht von einer bereits vorhandenen „Menschenrasse“. Wer der Übermensch werden möchte, den Hitler als das Ideal bezeichnet, der hat einen harten Weg vor sich. Somit fällt der Durchschnittsdeutsche direkt raus aus diesem Ideal. Wer sich nicht der Einsamkeit aussetzt, wer nicht durch Demut zu Selbstsicherheit erlangt, wer nicht danach strebt, seinen Geist zu schulen, der gehört nämlich zu denen, die Zarathustra meint, wenn er sagt, es wäre besser, sie alle gleich auszurotten.

Ausgerottet würden dann aber nicht die Juden, die Afrikaner, die Türken oder Araber, ausgerottet würde dann die Mehrheit der Menschen. Alle die, die lieber den Fernseher einschalten als ein Buch zu lesen, all jene die nicht zur Demut und zum Tiefgang bereit sind und ebenjene, die lauthals Parolen rufen, die andere sich ausgedacht haben.

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